Eine Kurzgeschichte – Der lange Weg nach Sacramento – Teil 7

10. Januar 2006

Der lange Weg nach Sacramento – Teil 7:

Dann stand Pedro auf, nahm die Flaschen, sowie die Gläser vom Tisch auf, reichte Amelie die Hand und bat sie freundlich mitzukommen. Sie zögerte kurz, nahm dann seine Hand und hängte sich bei ihm unter den Arm. Beide gingen zum Tisch der Escobars, Pedro stelle die Flasche und die Gläser auf dem Tisch ab, drehte sich um und suchte zwei funktionsfähige Stühle. Einen schob er Amelie hin und beide setzten sich. Franco Escobar entkorkte, wie von ihm gewohnt, die zweite Flasche mit den Backenzähnen. Dann verteilte er die Gläser und schenkte diese randvoll ein. Einen Spritzer goss er sich über den Unterarm. Dort hatte er sich eine leichte Schnittwunde geholt. Die leere Flasche warf er nach hinten über die Schulter. Pedro stellte Amelie die bereits Sitzenden vor. Franco verzog keine Miene und brummte nur kurz. Antonio konnte nicht, da er eine geschwollenen Kiefer hatte. Nur Margarita lächelte freundlich. Miguel winkte Cristiano und Beato und beide gesellten sich zur Tischrunde. Nun liess man den Abend und speziell die Schlägerei noch einmal in Worten Revue passieren. Es wurde doch noch viel gelacht und nicht unerheblich getrunken. Bis der Morgen graute.

Antonio und Franco torkelten die Arme um den jeweils anderen geschlungen aus dem Saloon, stolperten über den Gehweg und kamen erst in der Mitte der Strasse zu stehen. Sie drehten sich um und Franco nahm noch einen tiefen Schluck aus der Whiskeyflasche. Dann warf er diese über die Schulter. Antonio schaute enttäuscht der Flasche nach. Franco griff in die Jackentasche und zauberte eine volle heraus. Beide grinsten und lachten. Dann schwangen die Saloontüren erneut auf und Amelie und Margarita kamen heraus. Gefolgt von Beat und Cristiano, in deren Anschluss Miguel und Pedro ins Freie traten. Da weder die Brüder Escobar, noch die Brüder Gorrión noch reiten konnten und man sich dem letztjährigen „Unfall“ von Miguel erinnerte, holte zuerst Margarita ihre Kutsche aus dem Stall neben dem Saloon. Miguel begleitete sie so gut er konnte. Nach wenigen Minuten kam die Kutsche mit den beiden auf dem Bock angetrabt. Margarita bremste die Pferde und Miguel sprang vom Bock. Landete aber unsanft auf der staubigen Strasse. Er schrie auf und hielt sich die Schulter. Margarita kletterte von der Kutsch und beugte sich zu ihm. Er schaute auf und meinte nur „Reingefallen!“ Margarita gab ihm einen Schlag auf den Brustkorb.

Die Herren banden ihre Pferde hinten an der Kutsche an. Nur Cristiano und Beato verabschiedeten sich, sie würden aber am Nachmittag bei den Escobars vorbei schauen. Sie hatten ja noch ihre Felle zu verkaufen. Margarita und Amelie nahmen auf dem Kutschbock Platz. Die Brüder Escobar und Gorrión halfen sich gegenseitig schwerfällig und umständlich auf die Ladefläche. Schliesslich sassen oder lagen dann doch alle auf der Kutsche und die Fahrt zur Escobar-Ranch konnte losgehen. Franco und Pedro hatten für den Wegeproviant gesorgt – nur die Gläser fehlten. Im Osten war schon die Sonne aufgegangen und man durchfuhr gegen 8 Uhr das Tor. Dann nach weiteren 10 Minuten Fahrt war das Anwesen der Escobars erreicht. Antonio war eingeschlafen und Franco hatte Mühe ihn ins Haus zu schleppen. Miguel verabschiedete sich von Margarita. Pedro begleitete sie bis zur Haustür, stellte ihre Tasche ab und küsste Amelie auf die Wange. Dann drehte er sich um und schritt zurück zur Kutsche. Miguel hatte die Pferde der Escobar-Brüder in den Pferch gebracht und kam zurück zur Kutsche. Margarita bot Miguel und Pedro an, dass sie die Kutsche für die Heimfahrt nehmen sollten und am Nachmittag auch vorbei kommen sollten. Miguel sagte sofort zu. Also setzten sich die beiden auf den Bock, wendeten die Kutsche und fuhren Richtung Ranch de Gorrión.