Feinstaub und kein Ende – Hauptverursacher Verkehr oder Industrie


Um meiner Vermutung „Hauptverursacher Industrie“ auf den Grund zu gehen bzw. einen Nachweis zu finden, durchsuchte ich soeben das Internet über eine bekannte Suchmaschine. Sofort bekam ich ein Dokument in die Finger auf den Bildschirm, welches meine Vermutung zu bestätigen scheint.

Luftreinhaltungsplan für den Ballungsraum Rhein-Main“ Aus der Aufgabenstellung zitiere ich „…Der Luftreinhalteplan mit Massnahmenplan enthält eine Dokumentation der Belastungssituation sowie für die Messstationenstandorte mt festgestellter Immissionsgrenzwertüberschreitung eine emittentenbezogene Ursachenanalyse, die beschreibt, welche Emittentengruppen die erhöhten Immissionsbelastungen verursachen, und einen Massnahmenplan, der aufzeigt, mit welchen Massnahmen die Immissionsbelastung unter die Immissionsgrenzwerte abgesenkt werden kann…“

Auf Seite 32 von 84 wird in der Tabelle 10 „Emissionsbilanz für PM10 (Feinstaub) im Ballungsraum Rhein-Main“ aufgeführt, dass 2520 Tonnen Feinstaub jedes Jahr im Gebiet Rhein-Main erzeugt werden. 1300 Tonnen Feinstaub – also etwas mehr als die Hälfte bläst die Industrie in die Umwelt (51,6%). Der Kraftfahrzeugverkehr trägt mit 834 Tonnen zur Belastung bei (33,1%). Gebäudeheizungen liefern jährlich 285 Tonnen Feinstaub (11,3%). Die restlichen 4% erzeugen Schifffahrt (53 Tonnen/Jahr), Bahnverkehr (20 Tonnen/Jahr) und Luftfahrt (19,1 Tonnen/Jahr).

Somit scheint mir der Beschluss einiger Kantone die Feinstaubbelastung durch Geschwindigkeitsbeschränkungen für Kraftfahrzeuge kurzfristig merkbar zu reduzieren, nur ein Tropfen auf den heissen Stein zu sein. Über die Emissionen der Industrie spricht/schreibt kein Redakteur in der Tagespresse. Auf den Titelseiten wurden heute sogar Bauern als die scheinbar Schuldigen entlarvt, obwohl momentan kein einziger Traktor unterwegs ist, der Gülle auf die gefrorenen Felder ausbringt. Aber die Presse hat was für die Titelseite. Auch kein Politiker äussert sich zu diesem Thema konkreter. Warum auch – Polit- und Wirtschaftstrukturen sind auch in der Schweiz eng verwoben.

Tatsächlich ist die Massnahme „Temporeduktion“ nur eine volksberuhigende Sofortmassnahme. Langfristig muss eine deutliche Reduktion der Industrieabgase und der Feinstaubpartikelemission erfolgen, da über die Hälfte der Feinstäube hier „produziert“ werden. Diese Massnahmen sind jedoch kostenintensiv (Abgasfilter und Waschanlagen) und können nicht von heute auf morgen realisiert werden. Auch fehlen hierfür bisher nach meinem bisherigen Wissensstand sämtliche rechtlichen Grundlagen (Schadstoffausstossgrenzen), sowie wissenschaftliche Nachweise und Kontrollmechanismen. Gerne lasse ich mich aber von Fachleuten aufklären.

Ausserdem kommt noch ein anderer Aspekt aus der Untersuchung zum Vorschein: Die Schwefelmonoxid- und -Dioxid-Belastung ist 10 Mal höher als die Feinstaubbelastung! Somit hat Politik und Presse gleich im Anschluss an die Feinstaubdiskussion ein neues Thema – die NOx-Kriese! Oder es kommt es im Sommer zu einer neuen OZON-Debatte? Wir werden sehen. Es scheint auf jeden Fall billiger (aber populärer) zu sein, das „motorisch angetriebene Volk“ zu Massnahmen zu überreden, welche effektiv nur gering wirksam sind und langfristig das Prädikat „untauglich“ verdienen.

Übrigens: Auch in der Zusammenfassung des Berichtes zur Luftreinhaltung wird kein Wort über den Hauptfeinstaub- und Schwefeloxid-Erzeuger „Industrie“ verloren.

5 Responses to Feinstaub und kein Ende – Hauptverursacher Verkehr oder Industrie

  1. marc sagt:

    nanana… du vergleichst das rhein-main gebiet mit der schweiz? ich würde schon empfehlen deine suche auf das gebiet einzuschränken, wo du zurzeit lebst und wo die debatte stattfindet. da lese ich zum beispiel folgendes: „In der Schweiz sind die Verursacher der gefährlichen Partikel zu je rund einem Drittel der Verkehr, Gewerbe und Industrie sowie Land- und Forstwirtschaft“. Du fährst gerne auto und lässt dich ungern davon abhalten und deshalb suchst du nach anderen sündenböcken statt zu überlegen was man selbst tun könnte. du kannst nicht einfach aufhören zu essen (also muss die landwirtschaft weiter esswaren produzieren – natürlich mit partikelfilter). du kannst nicht einfach aufhören zu konsumieren (also muss die industrie weiter güter herstellen – natürlich unter abgasvorschriften). du KANNST aber weniger autofahren wenn du nicht zu faul dafür bist.

  2. PeterPan sagt:

    Hi Marc..
    also der Vergleich Rhein-Main mit Ballungszentren in der Schweiz ist meiner Meinung durchaus gerechtfertigt. Von den Rahmenbedingungen z.B. in Zürich ist Frankfurt durchaus vergleichbar, sozodemoskopisch wie auch topographisch. Das Argument „Peter fährt gerne Auto“ kann ich aus meinem Artikel auch nicht herauslesen. Meine tägliche Wegstrecke zur Arbeit beträgt 7 km innerorts und diese lege ich ohne Umwege zurück. PeterPan fährt gerne Motorrad, nur das Töff steht grad in der Garage.
    Sündenböcke suche ich auch nicht. Ich wollte nur mal kurz darauf aufmerksam machen, dass vom Hauptverursacher (und das schreibst Du selbst „Gewerbe und Industrie“ ein drittel) niemand auch nur ein Wort verliert.
    Nehmen wir mal an, dass je ein Drittel des Feinstaubes wie Du schriebst, von Verkehr, Gewerbe/Industrie, und Landwirtschaft erzeugt wird.
    Gestern war der Tagesmittelwert für Feinstaub in Basel bei über 150 ug/m3.
    Selbst wenn kein Kraftfahrzeug fahren würde, dann käme der Tagesmittelwert nicht unter 100 ug/m3, da Industrie/Gewerbe und Landwirtschaft immer noch schwer dabei wären.
    Aber genau diese Massnahme scheinen die Kantonsverwaltungen nun eingeleitet zu haben – mit der Tempo 80 Begrenzung.
    Dagegen spricht, dass LKWs den grösseren Anteil an der Feinstaubemission haben und vor der Begrenzung max. 80 km/h fahren und nach der Begrenzung auch 80 km/h. Der Individualverkehr reduziert auf Autobahnen die Geschwindigkeit auf 80 km/h – innerorts und auf Landstrassen ist es eh kaum möglich schneller zu fahren.
    Somit wirkt sich meiner Meinung diese Massnahme nur homöopathisch auf den Schadstoffausstoss und auf den Feinstaub aus.
    Bist Du da anderer Meinung?
    Gruss
    Peterpan

  3. marc sagt:

    sorry für den harschen ton 😉 bin einverstanden: temporeduktion bringt nichts. mein punkt war einfach, dass die einzige möglichkeit etwas zu tun verzicht auf individualverkehr ist. daneben kann man sich politisch engagieren. beides bleibt selbstverständlich ohne grosse wirkung. machtlosigkeit…?

  4. PeterPan sagt:

    Hi Marc..
    kein Problem 😉 Eine kontroverse Diskussion ist dazu da, um kontrovers zu diskutieren. Dabei sollte Missverständliches genannt und und erklärt werden.
    Machtlos sind „wir“ nicht, solange wir die Zielrichtung kennen und scheinbar hilfreiche Massnahmen von tatsächlich hilfreichen Massnahmen trennen. Um diese zu trennen, benötigen wir beide aber mehr Informationen zu den Ursachen. Und da fangen die Probleme an. Welche Informationen sind „wertvoll“ und „richtig“ und welche „nebensächlich“ und „unwichtig“.
    „Machtlosigkeit“ enthält meiner Meinung „Hoffnungslosigkeit“ und dagegen wehre ich mich. Nur wir können tatsächlich wenig tun; denn die Verursacher des Missstandes „Feinstaub“ sind ausserhalb unseres Einwirkungsbereiches. Keiner würde uns beiden z.B. genehmigen Messungen an den Abgasrohren von Heizkraftwerken vorzunehmen, auch hätten wir beide die Ausrüstung dafür nicht.
    Aber wir können darauf einwirken, dass Politiker und Wirtschaft sich auf strengere Abgasnormen einigen – und daran werden die beiden nicht vorbei kommen. Schon allein wegen Kioto (CO2-Ausstoss).
    Wer das zahlt? Sicherlich der „kleine Mann“, also wir. So oder so.
    Gruss
    PeterPan

  5. […] Nachdem ich hier schon verlautbaren liess dass der Individualverkehr nur mässigen Anteil an der Partikelemission trägt und ich dabei kritisiert wurde, dass es sich um eine Studie in der Region Rhein-Main handele, welche sich (angeblich) nicht mit den Schweizer Verhältnissen vergleichen liesse, habe ich nach einer aktuelleren und zudem Schweizer Untersuchung gesucht – und gefunden. […]

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