Bali Kuta Beach – Der erste Tag auf Bali

20. November 2006

Heute fand ich etwas Zeit die Reiseaufzeichnungen von unserem Urlaub in Bali ins Web zu bringen. Hier also – nach den ersten Tagen in Singapore – der erste Tag in Bali.  Zum Inhaltsverzeichnis geht es hier lang 🙂

14.10.06 – Die ganz Nacht hatte ich schlecht geschlafen. Einmal war es mir zu kalt, dann wieder zu warm. Dann stand ich auf und setzte mich auf den Balkon. Dort erwischten mich dann die Mücken. Ich ging Duschen und las anschliessend im Reiseführer. Mike schnorchelte leise im Bett neben mir. Sonst schnarcht er ab und zu, aber diese Nacht näselte er nur leicht. Er scheint den Schlaf von einem ganzen Jahr nachzuholen. Dann, als die Sonne aufging, dachte ich schon ich könnte eigentlich zum Strand gehen. Morgens um 7 Uhr schlafe ich dann endlich ein. Bis mich der Roomservice weckt gegen 11 Uhr.

Ich weckte Mike. Er rappelte sich müde hoch und er setzte sich auf den Balkon, damit der Roomservice sein Bett beziehen konnte. Mike rappelte sich langsam und ächzend auf, schnappte sich die Zigaretten, schleicht auf den Balkon und lehnt sich in den Liegestuhl. Ich bestelle heisses Wasser und mache Kaffee. Als ich mit zwei Tassen auf den Balkon komme, lag Mike mit halb geöffnetem Mund und geschlossenen Augen leise rüsselnd da. Eingeschlafen. Ich zünde mir eine Zigarette an und schaue mir den Garten des Hotels an. Vom Trubel an der Uferstrasse ist hier überhaupt nichts zu spüren. Leise hört man unsere Klimaanlage rauschen. Irgendwo spielt leise Musik – kaum hörbar. Der Roomservice-Boy wischt derweil den Boden. Ich frage ihn, ob er bitte nochmals die Thermoskanne mit heissem Wasser befüllen könnte. Er verschwindet kurz und bringt eine frische Kanne. Dann verabschiedet er sich mit etwas, was mit viel Fantasie und Interpretationsvermögen nach „Have a nice Day“ klingen könnte. Von Chris und Beat keine Spur. Alles ist ruhig um uns herum. Ich wecke Mike und er wankt murmelnd zurück ins Bett. Ich dusche und setze mich anschliessend wieder auf den Balkon. Der Garten besteht aus Palmen verschiedener Grössen, Büsche blühen bunt, weisse und weinrote Blüten. Ich schnappe mir den Bali-Reiseführer und den Kaffee, dann mache ich es mir am Balkon gemütlich.

Gegen 15 Uhr reckte Chris den Kopf an der Balkonabtrennung vorbei. „Schläft der Mike noch?“ Ich nickte und fragte, wann er aufgestanden sei. Cris erzählte, dass er und Beat gleich nach dem Frühstück mit dem Taxi zum Jimbaran Beach gefahren seien. Dieser liegt etwa 3 km südlich des Flughafens „Ngurah Rai“. Die Brandung sei ähnlich stark, wie an der „Kuta Beach“, nur wäre es deutlich ruhiger. Keine „Heuschrecken“, wie ich die Fliegenden Händler nenne. Chris und Beat wären etwa eine Stunde dort gewesen, kurz das Meer angetestet und hätten sich gesonnt. Aer es wäre zu heiss für den Anfang gewesen. Die Taxifahrt kostete pro Tour 50 000 Rp. was etwa 5 Euro entspricht.

Dann reckte auch Beat den Kopf von seinem Balkon herüber und grinste. Wir beschlossen Mike schlafen zu lassen und uns den Pool näher anzusehen. Also packte ich leise meine Habseeligkeiten und ing mit Chris und Beat zum Hotelpool. Dieser hat etwa eine Grösse von 200 qm Wasserfläche und ist in drei Ebenen eingeteilt. Einen 2,2 Meter tiefen, einen mit 1,2 Meter Tiefe und einen flachen an dessen Ende vier Steinfiguren als Wasserspeier zu Massage dienen. Links vom Pool befand sich eine strohbedeckte halboffene Hütte, in welcher eine professionelle Masseurin ihre Dienste anbietet. Rechts hinten befindet sich eine Theke, an welcher die Handtücher ausgegeben werden. Davor steht halb im Wasser eine halbrunde Steintheke, auf Wasserniveau mit Pizzaofen (Poolpizza) allerdings nicht in Betrieb. Rechts davon erstreckt sich der Barbereich und davor der offene Restaurationsbereich mit runden 4er Tischen und Bali-Deko. Rund um den Pool stehen einige Holzliegen. Wir entschlossen uns vier davon im Halbschatten einer Palme zusammen zu stellen. Wir breiteten die Handtücher aus und dann wurde das Wasser angetestet, erfrischend aber nicht kalt. Gerade richtig und kein Chlorgeruch. Aber an die Sonne muss ich mich erst noch langsam gewöhnen. Das ganze Jahr in geschlossenen Räumen sorgt für vornehme Blässe, welche nicht zu intensiv von der Sonne bestrahlt werden sollte.

Nach etwas mehr als einer Stunde beendeten wir das Relaxen am Pool und gingen zurück zu den Zimmern. Mike war aufgestanden und hatte sich ebenso poolfertig gemacht. Ich hatte einen Zettel hinterlassen mit der entsprechenden Nachricht und er wollte gerade nachkommen. Ich informierte ihn über unsere Planung zuerst zum Kuta-Strand den Sonnenuntergang zu geniessen und anschliessend zum Essen ins Restaurant „B`Couple“ zu gehen. Dieses Lokal hatte Chris auf der Taxirückfahrt entdeckt. Wir zogen uns um und Chris und Beat kamen kurz vor 18 Uhr auf unsere Zimmer. Wir setzten uns kurz und rauchten eine. Dann gingen wir die Hotelausfahrt entlang zur Uferstrasse.

Schon wurden wir von Taxifahrern empfangen, welche uns „Transport“ anboten. Wir überquerten die Strasse und gingen im Sand Richtung Meer. Der berühmte Surferstrand Kuta-Beach war wegen der langen gleichmässigen Dünung bekannt und beliebt. Zum Baden ist der Strand aber eben deshalb nur wenig geeignet. Die Strömung einen bei einer Gegenströmung schon mal ins Meer zurück ziehen. Rote Flaggen mit Totenkopfsymbolen machen dies unmissverständlich deutlich. „Don’t swim in this area!“ Schon kamen wir mit den ersten „Heuschrecken“ in Berührung.

Alle paar Meter wollte uns ein Balinese Tücher, Getränke, Eis oder Lenkdrachen verkaufen. Auch temporäre Tattoos oder Massage war im Angebot. Wir schlenderten am Strand und beobachteten das Treiben darauf un dim Meer. Denn dort surften etwa sieben oder acht Surfer die regelmässigen Wellen ab. Als sich die Sonne senkte und langsam von orange in rot verwandelte, schoss ich einige Bilder vom Szenario. Nach Sonnenuntergang spazierten wir die teils befestigte Uferpromenade entlang zurück zur Uferstrasse, um uns auf den Weg zum Restaurant „B’Couple“ beim Paradiso Hotel zu machen.

War es am Strand noch relativ ruhig gewesen, so schien die Jalan Pantai Kuta, wie die Uferstrasse heisst, von Taxis und Motorrollern überzuquellen. Schnell hatte diese Strasse den Kosenamen „Idiotenkreisel“ weg. Wir gingen am Hardrockcafe und Starbucks vorbei immer von Hupen und Transportrufen der Taxifahrer begleitet. 

Wir bogen in die Verkaufsstrasse mit den vielen Plagiatenshops ein, durchquerten diese flotten Schrittes und landeten schliesslich vor der „B`Couple Bar and Restaurant vor dem Hotel Paradiso“. Am Eingang des rundherum offenen Lokals stand eine traditionell gekleidete Dame und einen Security-Mann. Wir suchten uns einen Tisch in der Mitte des Restaurantes aus. Die Getränke- und Speisekarte wurde gereicht und wir suchten uns „Corona-Bier“ sowie einen Seafruit-Basket mit verschiedenen Fischköstlichkeiten aus. Chris und Beat tranken Cola, Beat nahm Chopsticks. Dazu wurde Salat und Reis gereicht. Das Essen schmeckte vorzüglich. Die Chopsticks wurden auf einem kleinen Holzgrill an den Tisch gebracht. Das fischallerlei in einem Palmenblattkörbchen. Babylobster und Tintenfisch war auch mit dabei. Das Restaurant „B’Couple Bar ’n‘ Grill“ ist wie eine grosse offene Lagerhalle gestaltet.

Die offene moderne Chromküche mit blau hinterleuchteter Glastheke befindet sich an der Strassenseite. Daran schliesst sich der gediegene mit Tischdecken und Deko geschmückte Restaurationsbereich an. Daneben laden breite Cordsofas und flache Holztische zum Chillen ein. Daneben der Barbereich mit Chromtischen und -Stühlen. Dahinter befindet sich eine Bühne für Livebands mit Tanzfläche davor. Etwas erhöht noch ein weiterer Barbereich mit zwei Billardtischen. Die Bars und die einzelnen Restaurationsbereiche sind aus Glasbausteinen gestaltet, welche durch RGB-LED-Leuchten indirekt beleuchtet werden. Die Soundanlage ist überdimensioniert, hervorragend gleichmässig, stören die Unterhaltung aber nie. Auf einer Grossleinwand wurden Musikvideos gezeigt. Nach dem üppigen Mahl verlangte der Körper nach Bewegung.

 So entschlossen wir uns die Jalan Kartika weiter zu erkunden. Der Verkehr wütete noch immer und unzählige Taxis machten durch Hupen auf sich aufmerksam. Ich überlegte mir schon ein T-Shirt anfertigen zu lassen. Auf der Vorderseite steht dann „I don’t need a Taxi“ und auf der Rückseite „And i had a Massage today“. Die Strasse ist gesäumt von Restaurants, Shops, zwischendurch mal ein Rollerverleih oder ein fliegender Händler. Dann ein Taxifahrer auf dem Gehsteig sitzend, der mal grad nicht im Auto sitzt und hupt. Nach etwa 1000 Meter wechselten wir die Strassenseite und kehrten um. Das Bild blieb gleich. Ab und zu mal eine Karaoke-Bar. Die Sätze der Taxifahrer scheinen einstudiert zu sein. Es sind nämlich immer die gleichen: „Taxi? Transport? Were do you come from? Where do you stay? You like young girls? Go to the Disco? Manchmal steht sogar mal jemand am Strassenrand und bietet angeblich Hasch und Marihuana an. Der Besitz von Drogen dieser Art kann hohe Geldstrafen nach sich ziehen und wir vermuten, dass die Dealer und die Polizei hier Hand in Hand arbeiten (wie treffend formuliert).

Im Hotel angekommen machten wir uns ausgangsfertig. Direkt am Ausgang des Hotels schnappten wir uns einen Taxifahrer und Chris machte den Preis klar. 50 000 Rp. für die Fahrt zur Legian Beach. Chris erzählte etwas von einer Freiluftdisco „Double Six“ und die wollten wir uns ansehen. Auch sonst soll es in Ufernähe interessante Bars und Restaurants geben. Die Fahrweise der Taxisteuerer ist aus europäischer Sichtweise schon etwas abenteuerlich, aber was auf Bali veranstaltet wird hat mit Einhalten irgendwelcher Verkehrsregeln nichts zu tun. Auch der TÜV scheint unbekannt. Während der Fahrt stellte ich eine kurze Fahrzeugdiagnose: Radlager rechts vorne, Querlenker, Lenkradspiel eine halbe Umdrehung. Wir diskutierten auch darüber wieviel Fahrstunden man zur Fahrerlaubnis benötigt und ob überhaupt. Geht es mit dem Taxi langsamer, so überholen sofort links und rechts die Roller. Ist die Strasse dann frei, überholt das Taxi wieder wo es nur irgendwie geht. Einen Unfall habe ich trotzdem noch nicht beobachtet. Bei einer Engstelle oder Baustelle gewinnt der, der schneller dran ist. Roller weichen dann schon mal schnell auf den Gehsteig aus.

Wir durchfuhren im raschen Tempo dunkle leergefegte Strassen mit von Rollerjalousien verschlossenen Geschäften. Brannte irgendwo Licht, so handelte es sich dabei um ein Restaurant oder eine Bar. Es stellte sich mir die Frage, wo wohnen all die Balinesen und Shopinhaber? Hier sicher nicht. Auch deutete die riesige Anzahl von Shops darauf hin, dass jeder hier an dem Touristen-Boom verdienen möchte. Nach 22 Uhr sind diese Gegenden menschenleer und ausgestorben. Willkommen im Urlaubsparadies. Ähnliche Geschichten erzählen Touristenzentren wie Las Americas auf Tenerife, Ballermann auf Mallorca, Cersonissos auf Kreta. Irgendwann ist die Regierung und die Stadtverwaltung den lärmenden Massentourismus Leid und man besinnt sich auf alte Qualitäten, wie Tradition und individuelle Angebote, die dann gediegenere Touristen anlocken und den Ruf verbessern. Aber noch herrscht Goldgräberstimmung in Kuta. Vor 30 Jahren war hier noch Sumpf.

Nach 10 Minuten Fahrt kamen wir im Strandbereich von Legian an. Chris bezahle den Fahrer und wir orientierten uns kurz. Wir waren an einer T-Kreuzung gelandet. Vor uns der Strand mit Strahlern erleuchtet. Links eine Pizzabar, die Strasse gesperrt und ein Parkplatzbewacher kassierte 1000 Rp. für Autos und 500 Rp. für Roller. Links ging es zum „Double Six“. Dorthin gingen wir zuerst. Es war etwa 23 Uhr aber der Parkplatz war leer. Nur ein Auto und einige Roller standen dort. Vor dem Eingang langweilten sich drei Securities. An der Tür hing ein Schild „50 000 Rp.“. Wir assozierten, dass es sich dabei um um den Eintrittsbetrag handelte. Direkt neben dem „Double Six“ stand ein weiteres Gebäude. Auf einem Schild stand „Papparazi-Bar“. Wir sahen hinauf zur Terasse, aber nur drei oder vier Personen standen dort an Tische gelehnt. Also drehten wir um und gingen zurück zur Kreuzung an dem Parkplatzkassierer vorbei und beschlossen in eine der Bars zu gehen, um dort etwas abzuwarten. Die Auswahl war nicht recht gross. Die bereits erwähnte Pizzabar, ein Restaurant und eine schlecht besuchte Bar. Wir gingen weiter unnd aus der Ferne schallte Technosound an unser Ohr. Die Quelle der Musik fanden wir. Eine Musikbar mit Terrasse und Liegesesseln.

„De ja vu“ war der Name der Lokalität. „Draussen oder Drinnen“ war die Frage. Ausserhalb hiess immer noch drückende Schwüle und innerhalb Kühlung und lauterer Sound. „Drinnen hiess die Entscheidung. Mitten im Eingangsbereich stand eine übergrosse silberfarbene moderne Frauenskulptur, welche mich an das Wandgemälde in der Rockdisko Factory erinnerte. Die grosse Bartheke lag im hinteren Bereich. Links an der Wand, sowie in der rechten Hälfte luden bequeme Loungesessel und Sofas zum Verweilen ein. Wir entschieden uns für das Sofa und die Sessel auf der linken Seite. Sofort kam eine Bedienung an unseren Tisch, begrüsste uns freundlich und reichte uns die Getränkekarten. Bier zwischen 20 000 und 30 000 Rp. und cocktails zwischen 35 000 und 50 000 Rp. Mike bestellte zuerst einen „Singapore Sling“, Chris einen „Caipirinha“, Beat ein Corona und ich ein „San Miguel“. Die Bedienung verschwand, kam aber kurz darauf zurück und wollte mir etwas mitteilen. Ich verstand sie aber überhaupt nicht. Erst beim 3. Mal enträtselte ich „Sorry, San Miguel finish!“. Also nahm ich ebenso ein Corona, welches sie kurze Zeit später mit den restlichen Getränken servierte. Die Musik war House-Trance-mässig hervorragend. Die Soundanlage hochklassig. Nach und nach kamen auch immer mehr Nachtschwärmer, welche sich aber hauptsächlich im Aussenbereich einfanden. Sämtliche deckenhohen Glastüren waren geöffnet. Anders als bei uns im westeuropäischen Klima sind bei der Tür Deckenklimaanlagen installiert, welche einen Kältevorhang erzeugen. Auch die bisher freien Plätze im Innenbereich füllten sich langsam.

Die Diskussionen unter uns beschränkte sich musiklautstärkemässig bedingt entweder auf lautes Zurufen kurzer Satzfragmente oder direkt in das Ohr des Angesprochenen deutlich gesprochen. So blieb uns grösstenteils nur die Hälfte unserer Lieblingsbeschäftigung: Beobachten (ohne Kommentieren). Kommentieren konnten wir nur durch Handgesten. Meine Beobachtung war zum Beispiel, dass für diese Grösse des Lokales ungewohnt viele Bedienungen anwesend waren. Auch waren diese sehr freundlich und aufmerksam. Ich zählte mit Thekenpersonal 22 Bedienstete. Jeder trug die gleiche Bekleidung: dunkles T-Shirt mit „De ja vu“-Aufdruck, dunkle Hose/Jeans und einen Barcodeanhänger, welcher am Band um den Hals getragen wurde. Ich kombinierte und überlegte, wie ich „den Laden schmeissen“ würde. Die Barcodeanhänger sind der Bedienungsperson zugeordnet. Jede Bestellung kann dann der Person zugeordnet werden. Somit auch der Tagesumsatz der entsprechenden Bedienung. Es ird zentral abgerechnet – nur eine Kasse. Das Trinkgeld wird zentral gesammelt. Die Bedienungen sind prozentual am Umsatz beteiligt und erhalten entsprechend des persönlichen Umsatzanteils ihre Entlohnung und den Trinkgeldanteil. Mit der Voraussetzung „geringes Grundgehalt auf Stundenbasis“ entteht so ein Wettbewerb unter den Bedienungen. Zusätzliche Motivation könnte die direkte Zuordnung des Trinkgeldes zur Bedienung bringen. Somit spielt die Anzahl der Bedienungen keine Rolle. Steigert lediglich den Wettbewerb. Nur wer flink ist und schnell den Gast bedient und das möglichst freundlich, verdient am Ende des Abends am meisten. Warten oder gar Sätze wie „Das ist nicht mein Tisch“ gibt es dann überhaupt nicht.

Nach einer weiteren Runde Cocktails und Bier zahlten wir gegen halb eins und starteten den zweiten Versuch beim „Double Six“ nicht ohne bei der Kreuzung unzählige „Taxi“ und „Transport“-Versuche abwehren zu müssen. Beim „Double Six“ war immer noch nichts los. Und das am Samstag. Nach kurzer Beratung entschieden wir uns nach Kuta zu fahren und dem „Hard Rock Cafe“ einen Besuch abzustatten. Der Taxifahrer liess nicht mit sich handeln. Für 50 000 Rp. fuhr er uns zurück. Dabei hatte ich das Gefühl im Kreis geführt zu werden, aber der Taxifahrer verteidigte seine Route. Nicht ohne Zusatzoptionen anzubieten: Nice Girls und TikiTiki. Wir lehnten dankend ab. Wir stiegen beim „Hard-Rock-Cafe“ aus. Der Türsteher hielt uns auf und fragte nach, was wir trinken möchten. Ich gab vier San Miguel an, erhielt einen Zettel, den ich an der Kasse abgab und berappte schlappe 240 000 Rp. für vier Bier und viermal Eintritt. Chris und Beat waren schon erwartungsvoll vorgegangen, Mike folgte mir in die Arena. Gleich rechts von der Tür sassen die beiden. Ich folgte den Blicken und sah auf die Bühne. Eine Liveband spielte und zwei etwas fülligere junge Damen sangen dazu. Die Band nannte sich „AZ-1“ und schien entweder aus England oder Australien zu kommen. Die beiden stämmigen Damen hatten zwar anhörbare Stimmen, aber der Manager sollte ihnen raten 20 kg. abzunehmen – jede. Ich gab den zettel an eine Bedienung ab und blickte in die Runde. Plötzlich stand ein Kleinwüchsiger zappelnder neben mir. Ich machte einen Schritt zur Seite. Daraufhin sprach er mich an „Haiiii!“ How are you?“ kam es extrem sanft und weich an mein Ohr. Ich drehte mich um und deutete Mike an, dass ich mal für kleine Pans muss. Als ich zurück kam, reichte die Bedienung gerade die Bierflaschen. Zu dem warmen Kleinwüchsigen hatte sich ein weiterer extrem sanfter gesellt. Orange Halbjacke mit Kapuze und hautenger Sporthose – süss. Das hatte uns grade noch gefehlt. Beide tänzelten zur Musik direkt neben Beat. Es dauerte nicht lang und der zweite Halbjackenträger schnurrte Beat um eine Zigarette an. Chris beobachtete das Szenario und grinste leise vor sich hin. Nun hatte der Halbzwerg bemerkt, dass ich wieder da war. Er drehte sich zu mir um und fragte „Where do you come from?“. Ich verschränkte die Arme und beugte mich zu seinem Ohr „Go your own way, Boy. I don’t like you!“. Der Zwerg grinste gezwungen, tuschelte dann kurz mit seinem Halbjackenkollegen und beide verschwanden.

Nachdem die Band „YMCA“ anstimmte, ging gleichzeitig unser Bier aus. Keiner von uns wollte eines nachbestellen und wir empfanden, dass dieses Lokal ab sofort nicht mehr unser Geschmack sei. Gründe? Preisfrage! Hinweis: 3 Gründe sind es insgesamt. Enttäuscht vom Samstag Abend auf Bali, verliessen wir die wenig besuchte Location. Wir waren fast soweit uns im Shop ums Eck Sixpacks zu bestellen und unsere Privatparty im gemütlichen bekannten Stil auf dem Balkon fortzusetzen. Aber wie das Schicksal so spielt. Geht eine Tür zu – dann öffnen sich im nächsten Moment zwei neue. Als wir vor der Hoteleinfahrt ankamen, vernahmen wir in der Ferne wieder Technosound. Eine Disko in dieser uns noch unbekannten Richtung? Das musste erkundet werden. Wenn da nix ist, dann läuft uns der Minimarket mit dem Bier auch nicht davon. Zuerst sahen wir nur ein überdimensionales McDonald-Schild. Ja, auch hier sind die Jünger der Fettlebigkeit eingetroffen. Mit jedem Schritt erhöhte sich die Lautstärke. Chris meinte „Die Musik ist genau das, was ich jetzt brauche!“.

Die Musik kam aber nicht aus dem McDonald. Auch nicht aus dem Massagesalon daneben. Wir umrundeten das Gebäude, als eine junge Balinesin „Hallo“ rief und aufgeregt winkte. Zuerst dachte ich an die übliche Touristenfängerei, aber als wir die kleine Treppe zur Dachterrasse des Massageladens erklommen, stellten wir fest, dass dies hier nicht zutreffen konnte. Die junge Balinesin (etwa 25 Jahre alt) sass zusammen mit Freundinnen und Freunden an einem flachen Tisch mit Getränken vor sich. Wir grüssten zurück und wurden von einer einer jungen Dame – einer Bedienung – mit den Worten „Wellcome to my Beachbar“ empfangen. Sie stand vor einer halbrunden Theke. Im Zentrum davor stand ein Stahlgestell auf dem ein DJ sein Equipment aufgebaut hatte. Auf einem Klapptisch lagen CD-Mappen aus denen sich der DJ das entsprechende Stück heraussuchte. Rechts und links davon stand je eine riesige PA-Lautspecherbox mit Hörnern. Der Boden war mit Sand aufgefüllt. Verschiedene Tische mit unterschiedlicher Form und Grösse, sowie diverse Stühle standen auf dem ehemaligen Dach des Massagesalons.

Alles sah eher improvisiert aus. Die Terrasse war locker mit Gästen – nur Balinesen – besetzt. Wir suchten uns einen Holztisch in etwa der Mitte vor den grossen Lautsprecherboxen aus und setzten uns alle vier frontal davor. Nur so kann man den Sound und das Ambiente voll geniessen. Die Bedienung verteilte Getränkekarten, welche uns die nächste positive Überraschung bescherte: Longdrinks und Cocktails nur 35 000 Rp. Wir bestellten 4x Caipirinha! Der Barmixer hatte zwar nur weissen Zucker, dafür aber auch nur wenig Eis. Somit musste (leider) mit mehr Pitu aufgefüllt werden. Dementsprechend gut war die Mischung. Die junge Balinesin am Tisch am Eingang tuschelte pausenlos mit ihren beiden Freundinnen und behielten Blickkontakt. Die Bedienung brachte uns die Cocktails, stellte diese auf den Tisch und wir stiessen an. Die Musik war einfach weltklasse. Stil und Titel fast wie bei der Streetparade. Einige kannten wir von dort, andere waren in Mike’s MP3-Sammlung hinterlegt. Die Bedienung nahm sich Zeit mit uns zu plaudern. Zwar waren auch hier die „Standardfragen“ am Anfang mit dabei, aber mit dem Unterschied, dass sie mehr von sich erzählte, als sie von uns wissen wollte. Echtes Interesse? Auch sah man ihr an, dass sie sich über unseren Besuch freute. Speziell Mike schien sie in ihr Herz geschlossen zu haben. Oder lag es einfach daran, dass er ganz aussen sass? Sie stellte sich vor „Nita“ und wir nannten unsere Namen. Nur bei „Beat“ hatte sie anfängliche ein Problem mit der Verständigung, bis er ihr seinen Ausweis zeigte.

Zwischenzeitlich hatte sich die Maharania-Beachbar etwas mehr gefüllt. Und mit den Gästen kam eine weitere Begegnung. Eine junge Balinesin und deren Freundin grinsten uns an. Scheinbar weil wir vier auch die ganze Zeit grinsten. Wegen der Location, der günstigen Cocktails und nicht zuletzt wegen der klasse Musik aus einer riesigen Soundanlage. Die etwas festere von beiden war die aktivere. Sie und ihre Freundin war mit fünf jungen Balinesen zur Strandbar gekommen und hatte nachdem sie uns zugewunken hatte, sofort einen Spitznamen weg (Mike „Zahnfee“). Ursache: Nachlässige Mundhygiene. Sie kam herüber und setzte sich neben Beat. Eine Lustige Diskussion mit Händen und Füssen begann. Immer wieder wechselte sie von unserem Tisch zu den ihrer Freunde und zurück. Die Balinesinnen vom Tisch am Eingang bei der Treppe schauten bisweilen etwas bedröppelt. Ich würde diese Situation als „Crossfighting“ bezeichnen, auch wenn die Geschmäcker bei uns sich zu ähneln schienen. Nach zwei Runden Caipirinha musste wegen fehlender Lagerbestände auf Caipirovka umgestellt werden. Die Reihen lichteten sich, je mehr der Ladenschluss des Lokales gegen 3 Uhr sich näherte. Die drei Freundinnen vom Tisch am Eingang verabschiedeten sich winkend von uns. Die sechs Balinesen vom Nachbartisch hatten die beiden Mädels allein zurück gelassen. Beide hielten sich im Thekenbereich auf nicht ohne jede Möglichkeit zu nutzen uns einen Blick oder ein Lächeln zuzuwerfen. Nach zwei weiteren Runden verabschiedete sich Chris, um sich in sein Hotelzimmer zurück zu ziehen. Beat lud uns auf die Getränke ein, worauf Mike noch eine Runde spendierte.

Danach verabschiedeten wir uns von Nita mit dem Versprechen in den nächsten Tagen wieder vorbei zu schauen. Gemütlich diskutierend wanderten wir ins Hotel zurück und legten uns schlafen.