Vor sieben Jahren – 2x Dauerchat-Weltrekord gebrochen


Durch ein Interview und durch Mam’s „40 Jahre Peter – Das Buch“ wurde ich wieder daran erinnert. Muss ich wahnsinnig gewesen sein. Vor sieben Jahren war das. So lang her? Da war ich noch jung und verrückt. Nun bin ich nur noch verrückt 🙂

1999 war ich noch regelmässig im Chat „Atlantis“ unterwegs. Der gibt es schon lange nicht mehr. Das war ein ganz „antiker“ Chat. Per Button musste noch selbst aktualisiert werden. Das hatte aber den Vorteil, dass dieser Chat für „Kiddies“ nicht interessant war. Auch gab es keine „Privates“ oder sowas ähnliches. Das hat mich bei den anderen Chats immer genervt. Man sah 153 User im Chat und in der Lobby schrieb keiner. Absolute Gruppenbildung. Das gab es im „Atlantis“ eben nicht. Jeder sah jeden und las alles von jedem. Besser war das. Viele Abende verbrachte ich vor der Mattscheibe und tippte drauf los. Daraus ergaben sich Freundschaften, die noch heute lose halten. Zu „Mr.L“ beispielsweise oder „Anaconda“ und „Lukas“. Letztere besuchte ich letztes Jahr in Heidelberg. Es fand sogar eine richtige „Chatterhochzeit: Momo und Bubu“ statt. Nein, nicht virtuell. Die beiden lernten sich im Chat kennen und lieben. Ach und „Traumtänzer“ und „Anja“ gab es damals auch noch eine Hochzeit. Regelmässige „Chattertreffen“ zu Geburtstagen in Regensburg und Viernheim waren der Hammer. Die Chatter, die man sonst nur vom Schreiben kannte einmal richtig zu treffen und zusammen zu feiern.

Ja, und dann las ich eine Pressemitteilung von Berlin.de: „Auf der IFA99 in Berlin soll der Dauerchat-Weltrekord von 59 Stunden geknackt werden. Hierfür werden 4 Teilnehmer gesucht. Bewirb Dich per Mail“. Da werden bestimmt massenhaft Leute schreiben, dachte ich. Egal, als Bayer könnte man die „Praisn“ schon mal etwas aufmischen. Also sendete ich eine Bewerbungsmail – kurz und knackig. Vergass diese dann aber auch wieder. Einige Wochen später kam Post von Berlin.de. Man bat einen Bogen auszufüllen und zurück zu faxen. Das war schnell erledigt. Und tatsächlich kam ein paar Tage später die schriftliche Einladung. Nun versucht mal 14 Tage vor der IFA in Berlin einen Flug zu bekommen. Weil, hinfahren wollte ich von Regensburg nicht. Da bin ich ja schon nach der Anreise fertig. Ich bekam einen Bussiness-Flug und besorgte mir einen Leihwagen (sogar mit Navi!). Nach der Anreise ging es zum Doktor und zum Belastungstest (EKG).

   

Dann sahen wir uns die „Aquarien“ – wie wir die verglasten 2er-Kabinen nannten – in einer der Messehallen auf der IFA an, testeten die Rechner und gingen schlafen. Am nächsten Tag um 9 Uhr ging es los.

  

Chatten bis die Finger knacken. Nein, so schlimm war es nicht. Innerhalb von einer Stunde hatte man 5 Minuten Pause. Diese 5 Minuten konnten gesammelt werden. Chatten musste man folgendermassen: Pro Minute mindestens zwei sinnvolle Sätze. Kein „Copy and Paste“.

 

Niemals den Chatraum verlassen, ausser während der Pause. Schlafen war nicht. Aber Duschen und dergleichen war dann schon mal drin. Während der Öffnungszeiten war es im Chatraum unsagbar voll. Ohne direkte Ansprache im Text ging da gar nix. Richtig langweilig war es dann erst ab 3 Uhr nachts.

  

Neben der süssen Jenni in „real“ lernte ich eine Lady „virtuell“ aus Amerika/Florida kennen. Durch die Zeitverschiebung war es für sie einfach regelmässig vorbei zu schauen. Die Presse war regelmässig da. Funk und Fernsehen belagerte die beiden Aquarien.

  

Eine weitere Auflockerung hatte ich auch rein visuell. Der Messestandbetreiber gegenüber hatte die „Miss Germany 1999 – Yvonne Wölke“ engagiert. Eine Augenweide. Nach 53 Stunden schlief der erste ein. Aber die anderen 2 und ich hielten fast 62 Stunden durch (61 Stunden 50 Minuten). „Yummy“ Susanne Clark überliessen wir beiden Männer den Sieg. Wir konnten nicht gleichzeitig aufhören.  Sie bekam einen MAC und wir Männer je zwei Tickets nach NewYork.

   

Ich wandelte dieses dann in zwei Tickets nach Florida um, wo ich dann die „Lady aus Florida“ und ihre Familie besuchte. Auf dem Rückflug von Berlin nach München hatte ich auch noch eine lustige Begegnung. Ich sass in der Business-Class linken Reihe am Mittelgang und „Beinhard Werner Brösel“ sass direkt gegenüber. Zuerst erkannte ich nur seinen Bruder, der zwar am Fenster sass, aber gleichzeitig mit mir einen Kaffee nachbestellte. Brösel grinste und ich grinste zurück. In München angekommen stand direkt neben einem Aschenbecher am Gepäckband und wartete auf auf meinen Koffer. Jemand tippte mich an und fragte leise „Haste mal ne Fluppe?“.

  

Ich dreh mich um und flüsterte zurück: „Wenn Du mir unauffällig ein Autogramm gibst!“. Unauffällig? Er zog eine Autogrammkarte aus der Lederjacke, bat mich um einen Kugelschreiber und unterschrieb auf meinem Rücken. Karte gegen „Fluppe“. Feuer gab ich ihm auch noch. Dann standen wir beide am Aschenbecher und plauderten. Er und Brüderchen sind zur Premiere von „Werner – Volles Rooääää!!!“ in München. Sein Bruder kam nach und rauchte auch erst Mal eine. So standen wir zu dritt um den Aschenbecher und frotzelten über die Leut‘ rund um uns rum, über den Zoll der uns sicher rausziehen wird und tonnenweise Bölkstoff im Koffer findet und dann selber trinkt. etc.etc. Das war im September 1999.

 

Zwei Monate später klingelte im Büro mein Telefon. „Antenne Bayern“ wär dran. Ob ich der „PeterPan“ wäre, der in Berlin den Weltrekord geknackt hätte. Ich beantwortete die Frage und der Gesprächsgegenüber teilt mir mit „Wir sind live on air“. Wie meinen? Er fragte, wie das so war, über was wir geplaudert hätten und ob ich es wieder versuchen würde. Äh! Warum nicht. Es gäbe da einen weiteren Weltrekordversuch – der würde am Donnerstag anfangen. Ich entgegenete „Wenn mein Chef mir frei gibt – klar!“ Ob der „Chef“ da sei, war die Frage. Ich blickte über die Schulter und Herr Driessle war da. Ob er den „Chef“ sprechen könnte – ich leitete das Telefon um und verband die beiden. Nicht ohne den Hinweis „Chef, Sie sind live im Radio“. Mein Chef gab mir natürlich die Erlaubnis. Und so startete ich mit 25 weiteren Chattern verteilt über ganz Bayern in verschiedene Internet-Cafés den 2. Dauerchat-Weltrekord.

  

Diesmal war die Anreise einfach. Das Internet-Café war in Regensburg in der Glockengasse. Auch die Nächte waren leichter zu „überleben“; denn ich hatte Besuch ohne Ende. Nach 62 Stunden wurde der alte Rekord von Berlin eingestellt und die Parties live im Radio übertragen. Mein Interview konnte man fast nicht verstehen, weil im Regensburger Internet-Café gefeiert wurde ohne Ende. Aber ich konnte nur kurz Pause machen; denn es galten die gleichen Regeln wie in Berlin. Aber ich hatte meine Leibspeise geschenkt bekommen: „Zwei lange Braune mit allem, a Bretzn und an Kaffee“. Und so schafften wir das Limit für Dauer-Wettbewerbe: 72 STunden! Sonntag Mittag war es vollbracht. Anschliessend gingen wir noch Pizza-Essen und ich danach für 24 Stunden ins Bett.

Antenne-Bayern-Chat-Weltrekord Pressemeldung

Die Meldung vom Chat-Weltrekord ging auch in Regensburg durch die Medien. „Blizz“ berichtete genauso wie die „Mittelbayerische Zeitung“. Ein paar Tage später war ich dann auch im Regionalfernsehen. Die Videokassette habe ich auch noch rumliegen.

Wer mich oder die anderen im Guinessbuch der Rekorde sucht, wird nix finden. Warum? Der lese hier. Nö, mir reichen die Erinnerungen. Der Eintrag ins Buch bringt mir zusätzlich nix.

Übrigens: Knacken kann man den Rekord nur noch durch die Anzahl an Personen. Die Länge des Rekordes wurde auf 72 Stunden begrenzt. Wir waren 25 beim „Antenne-Bayern“-Dauerchat-Weltrekord.

5 Responses to Vor sieben Jahren – 2x Dauerchat-Weltrekord gebrochen

  1. pompini sagt:

    sono eccitato circa questo luogo, buon lavoro!:)

  2. Jana sagt:

    ich wollte den rekord knacken, aber jetzt nicht mehr.

  3. Daniel sagt:

    Ich konnte sie überzeugen, es sein zu lassen.

  4. PeterPan sagt:

    Hi Dani Hallo Jana!

    wieso? Wer organisiert denn momentan einen Rekordversuch?

    Gruss Peter

  5. Thomas sagt:

    Ich war 1999 auch dabei, damals im Hackmac in Würzburg!

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