Regensburg – Siemens VDO plant Abbau von bis zu 4000 Arbeitsplätzen


Siemens und Regensburg – da könnte ich Geschichten erzählen ohne Ende. Nur mal einige Beispiele: Das Schumacher-Infineon-Werk im Regensburger Westen bei Westbad war früher das Halbleiterwerk und noch früher die Messerschmitt-Flugzeug-Schmiede für den Endsieg. Ein Hangar steht noch. Darin befindet sich das Lager. Auf einem ehemaligen Flugabwehrbunker am Rennplatz vor dem Halbleiterwerk haben wir als Kinder „Verstecken“ gespielt und sogar mal angezündet 🙂  Heute ist der Rennplatz eine der ersten Adressen des Wohnens – angeblich.

Der erste Megaspeicherchip wurde in Regensburg produziert – im sog. „Megawerk“ – auf dem Gelände unseres ehemaligen Prüfeninger Bolzplatzes. Das Schuckert-Werk im Osten wurde neben dem Hafen, dem Ostbahnhof, dem Hauptbahnhof und den Messerschmitt-Gelände im letzten Jahr des 2. Weltkrieges durch Bombenangriffe schwer beschädigt. Nur ein Gebäude blieb stehen. Daraus entwickelte sich ein weiterer Siemens-Geschäftsbereich.

Beim Bau von Block 1 des Werkes Siemens-Automobiltechnik baggerte der Bauunternehmer die Hauptstromleitung an. Ergebnis: Feierabend. Beim Bau des Entwicklungszentrums 1 – damals bereits Siemens VDO – befand sich plötzlich eine Fliegerbombe auf der Schaufel eines Baggers. Ergebnis: Feierabend.

Und nun soll nach einer Pressemitteilung der Mittelbayerischen Zeitung bald Feierabend für 4000 Beschäftigte des Siemens-Bereiches VDO sein. VDO soll an die Börse gehen oder gar verkauft werden. Und das Kuriose dabei ist, dass als angebliche Bedingung eine Reduktion um 3 Werke ansteht resp. Produktionsstandorte geschlossen werden.

„Es sieht so aus, als ob Siemens die Trennung von den Werken als Bedingung für einen Börsengang der Sparte stellen würde“, sagte die Person. Siemens hat auch einen Verkauf der Sparte nicht ausgeschlossen.
Ein Siemens-Sprecher wollte die Aussagen nicht kommentieren. In einer schriftlichen Stellungnahme verwies das Unternehmen darauf, dass es Ende März vertrauliche Gespräche zwischen Arbeitnehmervertretern des Aufsichtsrates sowie Mitgliedern des Siemens-Zentralvorstands und des Bereichsvorstands von Siemens VDO Automotive gegeben habe.

Siemens VDO besitzt mittlerweile 50 000 Mitarbeiter an 130 Standorten – und das sehr erfolgreich. Im Geschäftsbericht der Siemens AG aus dem Jahre 2006 liest man auf Seite 10 von 276:

Die Bereiche wachsen profitabel
Alle Bereiche – ausser Siemens Business Services – sind beachtlich gewachsen. In sechs Bereichen des operativen Geschäfts ist der Auftragseingang prozentual sogar zweistellig angestiegen, und wir haben vielfach unseren Wettbewerbern marktanteile abgenommen. Die Margenziele wurden im Berichtsjahr von den Bereichen Automation and Drives (A&D), Medical Solutions (Med), Siemens VDO Automotive (SV), Power Transmission and Distribution (PTD) und OSRAM in jedem Quartal erreicht.

Im Zwischenbericht für das erste Quartal 2007 der Siemens AG ist zu entnehmen (Seite 5 von 52):

Der wesentliche Wachstumstreiber beim Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten war das Ergebnis der Bereiche (Operatives Geschäft), das im ersten Quartal im Vorjahresvergleich um 51% auf 1,631 Mrd. EUR stieg. Alle Bereiche des Operativen Geschäfts wiesen positive Ergebnisse aus, und die Mehrzahl der Bereiche verbesserte im Vorjahresvergleich sowohl Ergebnis als auch Ergebnismarge. Automation and Drives (A&D) setzte sich mit einem Bereichsergebnis von 450 Mio. EUR an die Spitze aller Bereiche, gefolgt von Medical Solutions (Med), Power Generation (PG) und Siemens VDO Automotive (SV). Siemens Business Services (SBS) wies im ersten Quartal ein positives Bereichsergebnis aus, nach einem erheblichen Verlust ein Jahr zuvor.

Auf Seite 12 von 52 findet man das detaillierte Ergebnis von VDO, welches 6% oder 146 Millionen Euro beträgt.

Somit stellt sich mir die Frage, wie die Aussage des Pressesprechers fundiert begründet werden kann:

Diese Gespräche hätten „Überlegungen zur langfristigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit von Siemens VDO zum Inhalt“ gehabt. Dabei seien Szenarien entworfen worden, wie die Produktivität bis 2011 um jährlich fünf Prozent erhöht werden könne. Es gebe aber keine Beschlüsse.

Argumentation „Entlassungsproduktivitätssteigerung“?

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