Porsche 911 GT2 Formel: Turbo plus 50 PS plus GT3 minus Allradantrieb

7. Oktober 2007

Die schwäbische Armbrust vorgespannt, feuert ein nach oben zuckender Kupplungsfuss den roten Pfeil wenige Zentimeter über dem Asphalt ab. Lauch Assistent nennt Porsche, was sich anfühlt, als sei man mit der Jacke an einem Voll-Tempo-ICE hängen geblieben.

Die 200-km/h-Marke soll in 11,2 Sekunden fallen. Jenseits von 250 km/h, dort, wo der Schub eines normalen Turbos langsam in den Ruhestand geht, wird der GT2 dann zum Herrscher der Autobahn. Jeweils ein PS wirft nur 2,7 kg nach vorne. Der GT2 wiegt mit zwei Personen nur soviel wie ein Turbo ohne Besatzung. Erst bei 6750/min und 329 km/h endet der beeindruckende Vortrieb. Für Beifahrer mit geweiteten Augen zeigt die Tachonadel noch deutlich mehr an.

Ob Nummer zwei oder drei, beide entführen den in kohlefaserverstärkten Sportschalensitze gefühlsecht mit dem Elfer verbundenen Piloten in eine für Normalfahrer kaum fassbare Welt der Ein-G-plus-Querbeschleunigung, in der warme Cupreifen wie festgetretener Kaugummi haften und die Lenkung so präzise wie ein Laserskalpell an der Ideallinie entlang schneidet.

Es gibt sogar so etwas wie Restkomfort, wenn sich die elektronisch geregelten Dämpfer zumindest in der Normaleinstellung bemühen, auf kleinere Unebenheiten anzusprechen. Im strafferen Sport-Modus stanzen sich dafür die Prägungen von Gullydeckel-Aufschriften gut lesbar in den Po. Doch wer Chillis bestellt darf sich nicht über Schärfe beschweren.

(zitiert aus Auto, Motor und Sport Ausgabe 21/2007)