Ulrich Kring, die Schweizermacher und die Waschküchenordnung


Jens-Rainer Wiese (blogwiese.ch) schreibt täglich über interessante Themen und Kuriositäten aus der Schweiz. Heute fiel mir ein Betrag in die Hände auf den Monitor: Flup ist Schweizer — Der Deutsche Ulrich Kring muss erst einen Test machen. Darin geht es um einen Deutschen. Er heisst Ulrich Kring, ist in der Schweiz geboren und lebt seit 70 Jahren in der Schweiz. Er möchte sich einbürgern lassen. Doch der zuständige Gemeinderat von Dielsdorf fordert von ihm einen sog. „Deutschtest“ zu absolvieren. Es gibt tatsächlich noch „Schweizermacher“! Um was geht es in diesem „Deutschtest“?

Während eineinhalb Stunden wird unter anderem anhand von Haus- und Waschküchenordnungen das Sprachverständnis nach Kriterien des Europäischen Sprachenportfolios (ESP) eingestuft. Beim zweiten Termin wird während einer Stunde das staatskundliche Wissen getestet. Wer weniger als 60 Prozent der Fragen richtig beantwortet, muss entsprechende Kurse besuchen und anschliessend beim jeweiligen Gemeinderat wieder vorstellig werden.

Eineinhalb Stunden lang wird die Haus- und Waschküchenordnung zerlegt und hinterfragt? Ich fasse es nicht! 🙂 Bei der Vorbereitung für den zweiten Teil „Staatskundliches Wissen“ kann ich durchaus helfen. Gestern fand ich zufällig auf der Informationsseite für Auslandsschweizer (swissinfo.org) die hierfür nötigen Informationen.

Dort findet man Erklärungen für „Panaschieren„, das nur indirekt etwas mit einem Getränk zu tun hat. Streichen kann man auch ohne Pinsel. Was „Konkordanz“ mit Gewichten und Ausgleich zu tun hat. Dass auch nicht militärischen Einrichtung Tätige die Majorzwahl haben. Und sogar eine eine „Zauberformel“ gibt es im politischen System der Schweiz! Warum steht das eigentlich auf der Website für Auslandsschweizer?

Zur „Haus- und Waschküchenordnung“ und wie wichtig dem Schweizer (Vermieter) das Vermitteln der darin enthaltenen Informationen sind:

Im interkulturellen Kontext gehören Lärmemissionen durch Kinder und Besuche, intensive Kochgerüche, Waschküchenbenutzung und Belegung von Abstellplätzen und Podesten sowie Abfallentsorgung zu den häufigsten Ursachen von Reklamationen. Um der ausländischen Mieterschaft die in der Hausordnung enthaltenen Bestimmungen zu verdeutlichen, wurden vom Hauseigentümerverband Hausordnungen in mehreren Sprachen produziert. Konflikte und Kündigungen in Folge des Nicht-Einhaltens von Haus- und Waschküchenordnungen scheinen aber nicht ausgerottet zu sein.

Quelle: Dossier „Integration im Treppenhaus“ aus „Immobilia Mai 2005“ (Seite 12 ff.)

Wissenswertes vermittelt hingegen die „Eidgenössische Ausländerkommission“ zu Einbürgerungsfragen:

Die EKA unterhält zwei Websites: www.eka-cfe.ch und www.terra-cognita.ch. Die Website zu «terra cognita» bietet alle Artikel aus der Zeitschrift in PDF-Form und enthält bei der Online-Version der Infothek viele interessante Links. Die Site «eka-cfe» bietet einen umfassenden Service an: Sämtliche Publikationen der Kommission können bestellt, am Bildschirm gelesen oder heruntergeladen werden. Zu wichtigen Themen der Integration und Migration werden Dossiers zusammengestellt.

Und hier etwas, was mich absolut überrascht hat, weil ich das bisher nirgends gelesen, gehört oder sonst irgendwie mitbekommen habe. Unter „Politisches Recht für Ausländerinnen und Ausländer“ steht im Jahresbericht 2006 der „Eidgenössischen Ausländerkommission“:

Mit einer bemerkenswerten Initiative geht die Stadt Bern voran. Sie stellt allen niedergelassenen Ausländerinnen und Ausländern auf Wunsch die Abstimmungsunterlagen zu. Davon machen rund 2400 Personen regelmässig Gebrauch.

Auch der Zürcher Regierungsrat begrüsst das Ausländerstimmrecht. Er stimmte im Juni 2 006 einer Einzelinitiative zu, welche es den Gemeinden frei stellen würde, den Niedergelassenen aktives und passives Wahlrecht und Stimmrecht zu erteilen.

Der Kanton Neuenburg ist der Pionierkanton in Sachen Ausländerstimmrecht. Seit dem 19. Jahrhundert dürfen sie in der Gemeinde abstimmen. Aber gewählt werden können sie nicht. Das möchte eine im Dezember 2 004 eingereichte Initiative ändern: Wählbarkeit für alle, auf gemeindlicher und kantonaler Ebene. Der Neuenburger Staatsrat beantragte im Oktober 2 006, die Wählbarkeit auf kommunaler Ebene einzuführen.

Im Kanton Waadt fanden die Gemeindewahlen 2 006 erstmals mit Beteiligung der rund 85’000 ausländischen Mitbürger statt. 2 7 Prozent machten von der neuen Möglichkeit Gebrauch, 310 wurden gewählt. Die Stimmbeteiligung war höher als erwartet, tendenziell auch höher als in anderen Kantonen. In Epalinges gaben sogar 49 Prozent der stimmberechtigten Ausländerinnen und Ausländer ihre Stimme ab.

Im Kanton Glarus wandte sich eine überparteiliche Gruppe mit einer «Erklärung für ein Stimm- und Wahlrecht für Ausländerinnen und Ausländer im Kanton Glarus» an die Öffentlichkeit. Falls genügend Unterstützung zusammen kommt, soll das Thema auf die offizielle politische Agenda des Kantons gesetzt werden.

Übersicht Politische Rechte 2006 Schweiz

Quelle: Eidgenössische Ausländerkommission Jahresbericht 2006 Seite 20, welche komplett absolut lesenswert ist.

Weitere Informationen zum Thema:

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