06.04.2011 – Ende der Reality Shows? Französisches Gericht verurteilt TF1 zur Zahlung von 1400 Euro pro Kandidat und Tag


Ich frage mich schon lange, was denn die Teilnehmer von Reality-Shows wie „BigBrother“ oder auch „DSDS“ dazu treibt sich vor einem Millionenpublikum zu Dödel zu machen. Es hat immer den Anschein, also ob die Teilnehmer dies freiwillig tun – für rein gar nix – und die TV-Sender durch Einschaltquoten und Werbeeinnahmen Millionen scheffeln. Scheinbar ist das nicht nur scheinbar so, sondern die Realität: Die Teilnehmer bekommen wenig bis gar nichts. Es sei denn, sie gewinnen den in Aussicht gestellten Preis.

Nun hat das höchste Französische Gericht in einem 6 Jahre lang dauernden Fall einen für Reality-TV-Shows bzw. deren Teilnehmer richtungweisendes Urteil gefällt. Es verurteilte den Sender TF1 in einem Musterprozess den 56 Kandidaten der französischen Reality-TV-Sendung „L’ile de la Tentation“ pro Tag eine Gage von 1400 Euro plus Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen. Ausserdem dürften die Teilnehmer laut französischer Gesetzgebung nicht länger als 35 Stunden pro Woche arbeiten. Daraus ergibt sich die Zahlung von Überstunden bei längeren Drehtagen.

Der Anwalt Jérémie Assous meinte: „Es ist ein grosser Sieg. Nun müsse mit den Teilnehmern von Reality-Shows ein korrekter Arbeitsvertrag abgeschlossen werden und angemessene Löhne und Überstundenregelungen getroffen werden. Das Prinzip ist prinzipiell einfach und universell; man könnte Kandidaten nicht zwingen 24 Stunden rund um die Uhr zu arbeiten und das 7 Tage in der Woche für gar nichts oder für einen Hungerlohn. Das wäre Sklaverei in einem Land, in welchem die Gesetze liberal sein sollen und für alle gültig.“

Die 56 Teilnehmer erhalten zwischen 15.000 und 17.000 Euro. Das Thema ist aber nun, dass das Urteil auch rückwirkend angewendet werden kann. Somit hätten theoretisch die bisherigen Teilnehmer sämtlicher Reality-Shows in Frankreich anrecht auf Entschädigung. Das sind nach groben Schätzungen 1500 Kandidaten multipliziert mit durchschnittlich 20 Drehtagen und 1400 Euro ergibt sich eine mögliche Summe von 42 Millionen Euro exklusive Sozialhilfebeiträge und Überstunden.

Das Urteil hat auch internationale Auswirkungen. Anwalt Assous ist im Gespräch mit Kanzleien in England, Amerika, Spanien und Israel, um nun die Rechte der Teilnehmer dortiger Sendungen im Arbeitsrecht durchzusetzen.

3 Antworten zu 06.04.2011 – Ende der Reality Shows? Französisches Gericht verurteilt TF1 zur Zahlung von 1400 Euro pro Kandidat und Tag

  1. roger sagt:

    In Deutschland wurde letztes Jahr der Gewinn des Siegers neu geregelt. Vom nichtversteuerbaren Lotteriegewinn zum versteuerbaren Arbeitslohn.

  2. roger sagt:

    Aber wer schaut schon solche Sendungen? Ich jedenfalls nicht.

    • PeterPan sagt:

      Hoi Roger..

      ich hab auch keine Zeit für solche Sendungen. Und mir ist es eigentlich egal, ob überhaupt und wieviel die Kandidaten an Vergütung erhalten. Es ist nur spannend, dass dieses Thema bis zu einem obersten Gericht geführt wird zur Entscheidung. Mal sehen, welche Auswirkungen das generell hat – auch in anderen Ländern.

      Gruss Peter

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