10.07.2020 – Aquarienprojekt „Nie mehr Wasserwechsel – Das Fensterbankbecken“ (Teil 3)

10. Juli 2020

Nun läuft das „Fensterbankbecken“ drei Tagen. Gestern bekam es die erste Bepflanzung und diverse Schnecken zogen ein. Rein aus Interesse testete ich heute die Nitratwerte verschiedener Becken, um einen Überblick zu bekommen, wie sich die Werte in den Becken verhalten – und natürlich, wie sich die Wasserwerte im neuen „Fensterbankbecken“ verhalten.

Das „ThaiRiver“ läuft ja schon seit sehr langer Zeit mit reduzierter Technik. Es hat ca. 5 cm weissen Sand als Bodengrund und sehr viele schnellwachsende Pflanzen. Das Wasser wechsle ich alle 6-8 Wochen zu ca. 70 %. Letzter Wechsel 23.05.2020.

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Dann habe ich noch ein Aufzuchtbecken mit Antennenwels-Nachwuchs. Es hat gar keinen Bodengrund und nur sehr wenig Bepflanzung. Hier wird fast täglich das Wasser gewechselt.

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Und eben das neue Projekt „Fensterbankbecken„, welches am 07.07.2020 eingerichtet wurde. Es soll komplett techniklos laufen und gar keine Wasserwechsel erfolgen. Nur ein Heizstab sichert die Temperatur nach unten hin auf ca. 20 Grad ab. Und aktuell läuft ein kleiner AquaEl-Filter, um die Trübung im Wasser zu beheben.

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Und hier ein Foto der Ergebnisse des Wassertests betreffend Nitrit (NO2). Gemessen wurde mit den Tröpfchentests von JBL.

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  • Das „ThaiRiver“ ist vom Nitrit her voll im grünen Bereich, obwohl der letzte Wasserwechsel über 6 Wochen her ist.
  • Beim „Fensterbankbecken“ baut sich langsam Nitrit auf. Ich erkläre es mir so, dass sich nach 3 Tagen noch keine Bodenbakterien angesiedelt haben können.
  • Und beim vollkommen unbepflanzten kleinen Aufzuchtbecken ohne Bodensubstrat ist der Nitratwert kritisch, trotz fast täglicher Wasserwechsel, weil es dort eben gerade keinen Bodengrund gibt in dem sich Bodenbakterien ansiedeln könnten.

Nun zum Nitrat-Test.

  • Der Nitrattest zeigt bei allen drei Becken Werte zwischen 0.5 und 1 ml pro Liter an. Somit ist hier alles im „grünen Bereich“.
  • Der KH-Wert liegt übrigens bei allen drei Becken bei 10.

Erkenntnis für mich: Da der Nitritwert im Aufzuchtbecken kritisch ist und es wirklich mühsam ist täglich die Wasserwechsel in dem kleinen Becken auszuführen, werde ich den Antennenwelse-Nachwuchs aus dem „nackten“ Aufzuchtbecken in das „Thairiver“ umsiedeln. Danach werde ich es reinigen und mit ausreichend Sand und Bepflanzung ausstatten. Es kann dann ohne Technik anlaufen, bis sich wieder Nachwuchs einfindet, der nach meiner Meinung schützenswert ist.

Das „ThaiRiver“ mit 250 Liter läuft weiterhin mit wenig Wasserwechseln stabil. Der letzte Wasserwechsel fand am 23.05.2020 statt. Ich erkläre es mir damit, die eine ausreichende Menge Bodensubstratbakterien das Nitrit in Nitrat umwandeln und die schnellwachsenden Pflanzen das Nitrat abbauen. Denn mein kleiner AquaEl-Filter hat nur sehr geringe Auswirkungen auf den Stickstoffprozess im 250 Liter-Becken.

Das „Fensterbankbecken“ besitzt einen leicht erhöhten Nitritwert. Der Nitratwert ist im „grünen Bereich“. Das Becken befindet sich noch in der Einlaufphase. Dadurch liegt die Vermutung nahe, dass sich noch keine Bodenbakterien zur Nitrit-Nitrat-Umwandlung ansiedeln konnen. Ausserdem wurde es nicht mit Filtermulm oder Bodenmulm aus dem „Thairiver“ geimpft, was die Einfahrzeit eventuell verkürzt hätte – läuft also komplett neu an. Es wird noch eine Woche dauern, bis sich der Nitritwert zu senken beginnt. Dann erst kann der Fischbesatz gefahrlos eingesetzt werden.

Betreffend „Aufzuchtbecken“ wäre es sicher schlauer „die gute alte“ Methode zu wählen und ein ausreichend grosses Einhägebecken zu verwenden, solange es die eigentliche Beckengrösse zulässt.


08.07.2020 – Aquarienprojekt „Nie mehr Wasserwechsel – Das Fensterbankbecken“ (Teil 2)

8. Juli 2020

Schon nach einem Tag wird das Wasser im „Fensterbankbecken“ schon deutlich klarer. Der Heizstab heizt auf eine andere Temperatur (24 Grad) als eingestellt (21 Grad). Gut, dass ich als Gebäudeautomatisierer eine Messpistole zur Kalibration von Raumtemperaturreglern besitze. So kann ich den Heizstab nach einem Test im Waschbecken nachjustieren bzw. eine tiefere Temperatur einstellen.
Heute gab es die erste Bepflanzung. Die niedrigen Cryptocoryne (wendtii?) habe ich letzte Woche von meinem Nachbarn bekommen. Er hat ein kleines Becken von einer Bekannten übernommen, die umgezogen ist. Sie behielt die Pflanzen jahrelang in den Korbtöpfchen ohne sie einzupflanzen. Der Nachbar hat mir ein Töpfchen geschenkt als Gegenleistung für das Bücherset von Peter Schneider, eine Portion Schnecken und Vallisneria. Jetzt päpple ich eine Hälfte Pflanzen im Thairiver-Becken wieder auf. Die andere Hälfte ist nun im Fensterbankbecken in der Mitte zu sehen.
Ausserdem siedelten ein paar TDS, Blasen- und Posthornschnecken von den beiden Aufzuchtbecken um. Ein paar Blätter Brennnessel zum Anfüttern, weil Algen oder Abfälle hat es ja noch nicht ausreichend.
Jetzt heisst es weiter Abwarten.


07.07.2020 – Aquarienprojekt „Nie mehr Wasserwechsel – Das Fensterbankbecken“ (Teil 1)

7. Juli 2020

Letzte Woche stand ein 60er Becken (54 Liter) zum Verkauf bei Facebook. Das holte ich mir mal geschwind bei Dada’s Tiershop in Winterthur ab. Zusammen mit einer Fliesmatte und einem Holzzuschnitt für freundliche 50 CHF. Ausserdem fand am Samstag noch die erste Fischbörse des Aquaristik-Vereins Winterthur statt. Am Abend feierte der Verein 100-jähriges Bestehen. Dort besorgte ich mir noch ein paar schnellwachsende Pflanzen, welche ich noch nicht hatte. Ausserdem traf ich Pascal mit seiner netten Freundin mal wieder und Irina auch. Wir sassen anschliessend noch zum Kaffee und zum Plaudern zusammen. Lustig war es. Aber ich schweife ab.

Das neue Projekt nennt sich „Nie mehr Wasserwechsel – Das Fensterbankbecken“. Ausgehend von der allgemeinen Meinung in Aquarianerkreisen, dass man wöchentliche Wasserwechsel machen muss und der Meinung, dass Aquarien keine Sonneneinstrahlung abkönnen, weil sonst Algen wachsen, entschloss ich mich mal einen Versuch zu starten, um bei beiden Meinungen praktisch dagegen zu steuern. Ausserdem wird das Becken zudem vollkommen techniklos laufen. Ok, es wird einen Heizstab geben, der die Temperatur nach unten auf voraussichtlich 20 Grad begrenzt. Frieren sollen die Fischerl ja nicht. Und das Projekt wird nicht ewig laufen, denn irgendwann ab Herbst wird es dauerhaft kalt draussen. Ziel: Keine Leuchte, keine Pumpe, kein Filter, kein CO2, kein Wasserwechsel. Trotzdem stabile Wasserwerte, gesunden Pflanzenwachstum und quicklebendige Fische.

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So, jetzt hab ich natürlich vor lauter Tatendrang kein Foto vom Anfang. Man muss ich das 60er-Becken einfach auf dem Fensterbrett bei mir bei der Küche Richtung Balkon vorstellen. Später kommen dann noch Bilder. Was braucht es? Eine Tüte mit 25 Kilo gewaschenen Spielesand. Keinen besonderen „Soil“ oder sonst speziellen Aquariensand kaufen. Das braucht es alles nicht. Einfach Spielesand vom Migros/Coop Baumarkt. Schön wäre es, wenn man gewaschenen Spielesand nimmt. Dann spart man sich „die Sauerei“ zu Hause im Bad mit den Eimern. Oder auf der Terrasse, wenn man denn eine hat.

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Gestern war ich noch bei „Martin Agro“ im Hofladen und habe nach einer Handvoll Torf gefragt. Man gab mir dann tatsächlich eine Tupperdose voll Torf mit. Aber Vorsicht! Das mache ich zum ersten Mal mit dem Torf. Bei allen vorangegangenen Becken verwendete ich bisher ausschliesslich Spielesand als Bodengrund. Der Torf kommt in die Mitte des Bodengrundes schön gleichmässig. Vorher in Wasser tränken, damit er nicht aufschwimmt. Und dann schön mit einer weiteren Lage Sand bedecken. Der Torf soll mit seiner Huminsäure positive Auswirkungen auf die Wasserqualität haben – ausserdem (wie im Garten auch) dem Pflanzenwuchs dienen. Das probiere ich mal aus. Insgesamt kommt man dann in einem 54 Liter Becken mit den 25 Kilogramm Sand auf eine Bodengrundhöhe von 8 cm. Das sollte ausreichen, um im Bodengrund einen anaeroben Bereich zu bekommen, der dann die Denitrifikation erledigt.

Denn (grob erklärt) es entsteht durch Fütterung der Fische, Pflanzenreste und Ausscheidungen zuerst Ammoniak, welches durch Bakterien zu Nitrit verarbeitet wird und dann zu Nitrat. Dieses Nitrat dient den Pflanzen als Nährstoff. Es braucht aber schnellwachsende Pflanzen, sonst holen sich die Algen die Nährstoffe und man bekommt ein Algenproblem im Becken. Hat man keine Pflanzen im Becken, dann muss das Nitrat in einem grossen Filter durch die Filterbakterien abgebaut werden. Da das oft nicht komplett gut klappt, braucht es regelmässige Wasserwechsel. Das will ich ja grad nicht!

Wachsen die Pflanzen schnell und kräftig, wird durch Pflanzenwachstum das Nitrat abgebaut und genug Sauerstoff für die Fische produziert. Sorgt man dann für einen dicken Bodengrund, so wird im oberen Teil das Nitrit zusammen mit dem Sauerstoff zu Nitrat umgewandelt und im unteren Bereich das Nitrat zu Stickstoff abgebaut (Denitrifikation). Der im Nitrat gebundene Stickstoff wird durch Denitrifikation zu molekularem Stickstoff (N2) umgesetzt, also in eine Form überführt, die weitgehend ungefährlich ist und von den meisten Lebewesen nicht als Nährstoff (Stickstoffquelle) genutzt werden kann. In Gewässern und Böden ist er damit nicht mehr im Sinne eines Düngemittels verfügbar und nicht mehr umweltrelevant. Der entstandene molekulare Stickstoff (N2) entweicht größtenteils in die Atmosphäre, in der er ohnehin Hauptbestandteil ist. Also sorgen Pflanzen und die „anaeroben Bakterien“ im unteren Bereich des Bodengrundes dafür, dass das Nitrat verursacht durch die Fütterung soweit abgebaut wird, dass es keine Wasserwechsel (mehr) braucht. Die „Abfallstoffe“ aus der Denitrifikation sind entnommene gewachsene Pflanzen und gasförmiges Stickstoff (N2).

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Somit braucht es zwei Dinge für ein stabiles Aquarium: Ausreichend schnellwaschsende Pflanzen und eine dicke Schicht Bodengrund. Dazu ausreichend Fische und moderate Fütterung. Da Schnecken die Umwandlung von Pflanzenresten in Nährstoffe unterstützen, empfehle ich immer auch ausreichend Turmdeckelschnecken für den Bodengrund und Blasen- und Posthornschnecken für das Aquarium selbst einzusetzen. Die Turmdeckelschnecken sind die Regenwürmer im Aquarium. Sie durchwühlen den Bodengrund und sorgen so für eine Durchlüftung. Das verhindert Faulstellen im Bodengrund und die Wurzeln können sich besser ausbilden. Die Blasen- und Posthornschnecken kümmern sich auf Steinen, Blättern und am Glas selbst um Beläge und Algen, sowie Pflanzenreste. Sie lieben übrigens Brennnesselblätter.

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Aktueller Stand: Das Becken hat heute ein paar schnellwachsende Pflanzen erhalten. Um die Trübung zu reduzieren läuft ein kleiner Einhängefilter. Sobald die Trübung nachlässt, kommen noch mehr Pflanzen ins Becken. Links unten liegt der Heizstab. Oben im Schüsserl sind ein paar Schnecken drin, die sich gerade an Temperatur und Wasserverhältnisse gewöhnen. Nun muss das Becken mindestens 10 Tage einfahren, bis ich Fische einsetzen kann. Dann kommt der Filter raus und das Becken läuft dann vollkommen techniklos.

 


08.06.2020 – Aquaristik: Über die Ernährung von Wasserpflanzen – Wasserwechsel im Aquarium

8. Juni 2020

Hier ein Auszug aus dem Büchlein „Über die Ernährung von Wasserpflanzen“ von Peter Schneider – über 40 Jahre lang Züchter von Wasserpflanzen in der Schweiz. Seine Frau züchtete Aquarienfische. Daraus entstanden wesentliche Erkenntnisse, welche mir vor 10 Jahren bei meinem Restart Aquaristik sehr halfen meine (fast) techniklosen Aquarien erfolgreich zu betreiben. Eines – das „Whitesands“– habe ich heute noch. Und ich betreibe es nach den Prinzipien von Peter Schneider. Ich lege jedem Einsteiger in die Aquaristik die Büchlein von Peter Schneider nahe. So vermeidet man viele Anfängerfehler und wird zudem nicht zum Opfer der Aquaristikindustrie, die für jede Situation ein entsprechendes Wundermittelchen oder die entsprechende Technik bereithält. Die Büchlein sind einzeln (je 5 CHF) oder besser zusammen beim Aquarium-Perle Verlag für 25 CHF online zu beziehen.

In diesem Auszug aus dem Beitrag „Über die Ernährung von Wasserpflanzen“ geht es um das Thema „Wasserwechsel“. Auch nach meiner Erfahrung mit meinen Becken reicht ein Wasserwechselrhythmus von 4-8 Wochen vollkommen aus – im Gesellschaftsbecken. Wenn es genug Pflanzen und genug Schnecken im Aquarium hat. Bei mir ist auch kein grosser Aussenfilter im 250 Liter „Whitesands“ Becken installiert. Ein kleiner Innenfilter von AquaEl sorgt für eine leichte Wasserbewegung und filtert mir Schwebstoffe aus. Dieser kleine Innenfilter wird gereinigt, wenn nur noch wenig Durchfluss sichtbar ist. Sonst hat das Technik (ausser einer Beleuchtung mit 840er Neonröhre) keine weitere Technik. Bei Barschbecken sieht es ggf. anders aus. Wenn ich wöchentliche Teilwasserwechsel machen müsste, hätte ich gar nicht wieder mit der Aquaristik angefangen. Also lassen Sie sich nichts einreden.

Es gibt viele Methoden, die verschiedenen Bedürfnisse von Pflanzen zu erforschen. Die einfachste und sicherste ist die Praxis – nicht das Experiment. Denn in der Isolation des Labors fehlen so manche Umweltfaktoren, dass die Resultate nicht oder nur sehr bedingt mit der Praxis übereinstimmen. Das ist in ganz besonderem Masse bei einem Aquarium der Fall, weil dort alle Faktoren isoliert von der grossen und ausgleichenden Natur zustande kommen und es ausser einem Wasserwechsel keine Unterstützung aus dem grossen Reservebereich der Natur gibt. Aber eine aufmerksame Beobachtung des Geschehens bei der Pflanzenzucht vermittelt ein abgerundetes Bild über die Notwendigkeiten und Voraussetzungen für ein gedeihliches Pflanzenleben im Aquarium. Dass meine in 40 Jahren erworbenen Erkenntnisse den heute gängigen Ansichten widersprechen, beruht lediglich auf der Tatsache, dass ich nicht an der Herstellung und dem Verkauf überflüssiger und die Umwelt belastender so genannten Pflegemittel ein Interesse habe, sondern an der einfachsten und preisgünstigsten Methode, Wasserpflanzen gesund und schnell vermehren zu können – und das unter Wasser, weil nur derart gezogene Wasserpflanzen beim Kunden zügig an- und weiterwachsen.

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Wir können nach dem grundsätzlich Beschriebenen nun noch auf einige Details der Praxis eingehen: Es lässt sich nicht vermeiden, dass durch den Fischkot mit der Zeit trotz aller Vorsicht nicht doch ein Ungleichgewicht der Stoffe zustande kommt, das sich in wenig ausgeprägter Form lediglich durch einen Rückgang der Wachstumsgeschwindigkeit bemerkbar macht. Darum ist ein Wasserwechsel alle 8 Wochen ein gutes Mittel, rechtzeitig gegen ein mögliches Ungleichgewicht der Stoffe vorzugehen, noch ehe es Wirkung zeigt. Dazu rate ich, obwohl wir in Versuchen Aquarien mit über einem Jahr alten Wasser noch durchaus gesund erhalten konnten. Bedingungen dazu waren: eher weniger Fische und rechtzeitiges Auslichten resp. Zurückschneiden der Pflanzen, sodass pro Eingriff das Pflanzenvolumen nie mehr als maximal um 10% vermindert wird – und das, bevor ein Dickicht entstanden ist, welches die unteren Pflanzenteile bereits zum Absterben gebracht hat. Wer aber auf Nummer sicher gehen will, wechsle alle acht Wochen vier Fünftel des gesamten Wasservolumens, senke also mit andern Worten den Wasserspiegel so tief ab, dass die Fische gerade noch über dem Boden stehen können, bevor er das neue Wasser einlaufen lässt. Hat jemand zu viele Fische, so kann ein solcher Wechsel auch alle 6 oder gar alle 5 Wochen stattfinden. Bei reinen Salmlergesellschaften reicht allerdings auch ein regelmässiger dreimonatlicher Wasserwechsel aus.

Der heute überall empfohlene kleine Wasserwechsel alle 2 Wochen oder gar jede Woche bringt da nichts – ausser den Anbietern von Wasseraufbereitungsmitteln mehr Umsatz und Gewinn. Ich rate aber dringend von der Verwendung solcher Mittel ab, weil sie die Pflanzen immer leicht schädigen und die Fische in gesunden Aquarien nicht darauf angewiesen sind. Frage: Wem soll man bei zwei sich widersprechenden Ansichten eher glauben? Antwort: Keinem! Man probiere selber beides aus. Wer sich jedoch aus Bequemlichkeit solche Umtriebe ersparen will, der achte eher auf seine Gefühle und beurteile dann erst mit dem Verstande die Antwort seines Gefühles. Suchen wir uns also einmal eine ähnliche Situation, wo wir gefühlsmässig beurteilen können, ob hohe Konstanz oder eher Abwechslung gesundes Leben fördert. Eine reizlose Arbeit beispielsweise – wie das Autofahren auf einer Autobahn – ermüdet viel schneller als eine reizvolle Fahrt über eine hügelige Landschaft. Die Reize sind es also, die das Leben wecken und fördern. Wer in einem eher kühlen Raum kalt hat, bekommt schneller warm, wenn er in frischer – wenn auch noch kälterer Luft – einige tüchtige Bewegungen macht, als wenn er die Temperatur des Raumes nur ganz leicht (und damit zu wenig) erhöht. Auch die Kneipp’schen Wasserkuren mit kaltem Wasser verändern eine Krankheitssituation oft schneller und nachhaltiger als eine sonst gut gewählte Medizin, weil sie durch ihren umfassenden Reiz den ganzen Menschen beeinflussen, und nicht nur auf den kranken Punkt hinwirken. Auch hat ein kontinuierlich belüfteter Raum weniger „Atmosphäre“ als ein geschlossener Raum, der hin und wieder recht durchlüftet wird. Das alles erkennen wir auch bei einem Wasserwechsel in der Grössenordnung von vier Fünfteln des Volumens: Die Pflanzen beginnen schneller zu wachsen, die Fische sind lebhafter, geweckter, während des Wechsels sogar übermütig.

Wenn nach zwei bis drei Jahren ein solch umfassender Wasserwechsel nicht mehr denselben Erfolg wie frühere bringt, dann liegt das am Überschuss der Nährstoffe, die in Bodennähe ein förmliches Depot gebildet haben – etwa vergleichbar dem zuviel eingerührten Zucker in einer Tasse Tee. Dann müssen wir – wie eingangs schon einmal erwähnt – drei Mal im Abstand von je sieben Tagen einen Wasserwechsel von vier Fünfteln vornehmen, um mit dem zweiten und dritten Wechsel jeweils jene Menge Nährstoffe auszuschwemmen, die der vorherige Wechsel durch das frische Wasser von diesem Depot am Boden wieder neu gelöst hat. Alsdann genügen wieder die üblichen zweimonatlichen Wasserwechsel. Es ist ja klar, dass wir bei jedem Wasserwechsel den eventuell über dem Boden sich befindenden Mulm mit dem Wasser zusammen absaugen. Wenn wir dabei sehen, dass auch die oberste Bodenschicht schon ziemlich mit Mulm durchsetzt ist, so verwenden wir zum Absaugen eine Absaugglocke in der Art, wie weiter oben beschrieben wurde.

Den gesamten – sehr interessanten – Artikel „Über die Ernährung von Wasserpflanzen“ findet man hier. Man kann sich auch die gesamte Serie der Büchlein von Peter Schneider für 25 CHF bestellen.

Einen weiteren Artikel-Auszug von Peter Schneider zitiere ich hier: „Für einmal abseits der ausgetretenen Pfade„.


07.06.2020 – Aquaristik: Für einmal andere als ausgetretene Pfade (Gedanken zur Aquaristik)

7. Juni 2020

Auszug aus dem Artikel „Für einmal andere als ausgetretene Pfade“ von Peter Schneider.

Bei einem solchen Titel stellt sich zuerst die Frage: Was sind denn ausgetretene Pfade? Ausgetretene Pfade sind nicht geteerte Wege in der (oder in die) Natur. Denn geteerte Wege können nicht ausgetreten werden, wohl aber Wege auf natürlichem Boden. Sie haben dann die Eigenschaft, dass sie immer breiter werden und dass sich auf ihrem Boden immer weniger vegetative Natur ausbreiten kann. Auch ist entlang ihrer Ränder nicht etwa die Natur, die sich ausbreitet, sondern eher die Zivilisation. So sind weisse und auch farbige Punkte an den Rändern ausgetretener Wege niemals Blumen, sondern immer Papier und Plastik von Verpackungen sog. zivilisatorischer Produkte.

ausgetretenepfade_r2_c1Überall hat es improvisierte Feuerstellen voll Asche, umgeben von geschwärzten Steinen, die uns zeigen, wie viele da schon ihr eigenes Süppchen gekocht haben. Ganz anders wenig begangene Wege! Sie sind nicht in aller Leute Munde und werden daher nur selten begangen, sind deshalb aber voller Überraschungen und voller Schönheiten. Und beides: Schönheiten und Überraschungen sind aus der Natur – und nicht aus der Zivilisation. Dort blühen manchmal mitten auf dem Wege die seltensten Pflanzen, die bei ausgetretenen Pfaden nicht einmal an ihren Rändern aufkommen können.

Wollen wir einmal auf dem Gebiet der Aquaristik einen Vergleich zwischen diesen beiden verschieden gestalteten Pfaden anstellen. Begehen wir dabei zuerst einmal die verschiedenen Pfade zur Erkenntnis der Wirkungen verschiedener Lichtarten. Entlang des einen, des ausgetretenen, zieht sich vor allem die Theorie aus einem Versuch von 1882, in welchem ein gewisser Engelmann anhand der Sauerstoffproduktion erkennen wollte, welche spektralen Segmente des Tageslichtes die Fotosynthese, und damit das Wachstum der Pflanzen am meisten fördern. Dazu belichtete er einen Grünalgenfaden (Oedogonium) mit normalem, durch ein Lichtmikroskop spektral aufgefächertem Tageslicht. Dem Wasser beigefügte, Sauerstoff liebende Bakterien sollten ihm durch ihre Konzentration in den verschiedenen Lichtsegmenten anzeigen, in welchen am meisten Sauerstoff produziert werde. Das geschah vorzüglich in den Zonen roten und blauen Lichtes.

Also – so schloss man daraus – brauchen Pflanzen vor allem blaues und rotes Licht zu ihrem Wachstum (denn eben beim Wachstum produzieren sie aus Kohlendioxyd durch seine Spaltung Sauerstoff indem sie den Kohlenstoffteil zum Aufbau ihres Pflanzenkörpers brauchen). Diesen inzwischen völlig ausgetretenen, mühseligen Weg haben mittlerweile schon Abertausende – ihn gewissermassen nachbetend – begangen oder zu gehen versucht, und entlang seiner Ränder befinden sich unzählige Feuerstellen, auf welchen so mancher sein eigenes Süppchen (in der Theorie, aber vor allem auch mit Geschäftspraktiken) gekocht hat, und liegen ferner so viele halb ausgebrannte Fluoreszenzröhren, deren Lichtspektrum exakt für den Pflanzenwuchs zusammengestellt wurde, sodass es echt mühsam wird darauf auch wirklich vorwärts zu kommen. Denn, wenn wir auch einmal voraussetzen wollen, dass die Versuche Engelmanns korrekt vorgenommen und auch richtig interpretiert worden sind, so berücksichtigen sie immerhin noch absolut nicht, dass derselbe Algenfaden, der bei Rot- und Blaulicht mehr Sauerstoff abgibt, weite Strecken auch mit Grün- und Gelblicht beschienen wurde, was war in jenen Abschnitten alles vorgegangen, das vielleicht die nachherige Sauerstoff-Produktion mit Hilfe des Chlorophylls an den rot und blau beschienenen Stellen erst ermöglicht hat.

Noch weniger berücksichtigen sie den Umstand, dass alle Pflanzen von Natur aus an ihren Endpunkten (Spitzen) die grösste Wachstumstätigkeit entfalten und Rot und Blau in der spektralen Zerlegung des Lichtes ebenfalls die jeweiligen Endpunkte der Farbskala bilden. Es müsste also zuerst nachgewiesen werden, dass ein solcher Faden bei unzerlegtem weissem Licht an seinen Endpunkten nicht stärker wächst und darum auch nicht mehr Sauerstoff produziert als in den mittleren Abschnitten. Und sie berücksichtigen gar nicht, dass damit noch lange nicht bewiesen ist, dass alle Pflanzen vor allem nur mit demselben spektralen Lichtanteil am besten assimilieren können. Aber schon die Interpretation war nicht umsichtig genug. Zuerst wäre nämlich nachzuweisen, dass die beim Versuch verwendeten Bakterien sich tatsächlich vor allem des höheren Sauerstoffgehaltes des Wassers wegen im blau und rot belichteten Teil des Wassers aufhielten. Vielleicht bevorzugen und brauchen ja gerade sie selber diese Lichtfarben.

Jeder Aquaristik Anfänger sollte sich das gesamte Dokument durchlesen.

Fortsetzung hier.

von
Peter Schneider
Aquarium Perle
CH-4315 Zuzgen


25.08.2013 – „Aquaponic“ – Mit Aquarienfischen Gemüse züchten (Urban Farmers Basel)

25. August 2013

Verrückte Idee? Nein, eher nicht. „Aquaponic“ nennt sich eine Methode, in welcher man mit Aquarienfischen bzw. deren Ausscheidungen Salate und Tomaten zum wachsen bringt. „Urban Farmers“ in Basel praktizieren diese Methoden im grossen Massstab und MIGROS verkauft das Gemüse nun im MPARC in Basel. „Aquaponic“ verbindet Aquakultur (Aufzucht von Fischen) mit der Kultivierung von Nutzpflanzen in Hydrokultur

Schon die Azteken verbanden Hydroponik, Landwirtschaft im Wasser, mit Fischerei. In „Chinampas„, schwimmenden Gärten, kultivierten sie Mais, Bohnen, Tomaten in seichten Seegebieten. Auch in Asien hat die Technik eine lange Tradition. Schon vor 1000 Jahren verbanden Chinesen Reisfelder mit Fischbecken. Die derzeitige Renaissance des Prinzips erreicht auch die Industriestaaten: Das Unternehmen „Sweetwater Organics“ in Milwaukee etwa kultiviert 80 000 Barsche und Tilapia in einer alten Fabrik und produziert wöchentlich über 70 Kilogramm Gemüse. In Berlin ist für 2013 der Bau einer 1800-Quadratmeter-Anlage geplant, die pro Jahr 35 Tonnen Gemüse und elf Tonnen Fisch produzieren soll. Nach einem Patent des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei soll sie mit zwei entkoppelten Wasserkreisläufen arbeiten, die bei pH-Wert und Nährstoffen jeweils für Fisch oder Gemüse optimiert sind.

'local river' by mathieu lahanneur with anthony van den bossche

Das Projekt „Local River„, welches mich zum „ThaiRiver-Becken“ inspirierte, basiert auf dieser Methode

Quelle: NZZ Fisch aus dem Industriequartier

Link: Urban Farmers (Basel)


17.08.2013 – Nachwuchs im „WhiteSands“-Becken

17. August 2013

Vor 14 Tagen entdeckte ich beim Füttern ein kleines Fischlein im Becken. Seltsam, weil im „WhiteSands“ sind bis auf die Antennenwelse nur Fische drin, die meines Wissens in Gefangenschaft noch nicht nachgezüchtet werden konnten.

Ich habe auch nur gegurgelt vor 14 Tagen zu Nachwuchserfolgen bei diesen Fischarten und eben nichts gefunden. Namentlich sind folgende Fischrassen im „WhiteSands“:

Garra Rufa http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6tliche_Saugbarbe
Puzzlebarbe https://peterpanch.wordpress.com/tag/puzzlebarbe/
Siamesische Rüsselbarbe https://peterpanch.wordpress.com/?s=S…C3%BCsselbarbe

Heute habe ich einen weiteren Winzling gefunden und dann die Kamera gezückt.
So wie sich die kleinen Fischerl den Magen vollschlagen, tippe ich mal auf Garra Rufa? Sie schwimmen aber auch genauso „nervös“ in der Gegend rum und können sich nicht still halten.

Eventuell ist ein Fachmann unter Euch, der diese Rasse auf den ersten oder zweiten Blick „klassifizieren“ kann?

undefinierter Nachwuchs

undefinierter Nachwuchs


12.06.2013 – Terracotta Aussenbecken und Guppys

12. Juni 2013

Terracotta-Aussenbecken mit Bepflanzung und "Eingewöhnungsschüssel"

Terracotta-Aussenbecken mit Bepflanzung und „Eingewöhnungsschüssel“

Guppys in der "Eingewöhnungsschüssel"

Guppys in der „Eingewöhnungsschüssel“

Guppys in der "Eingewöhnungsschüssel"

Guppys in der „Eingewöhnungsschüssel“

Dieses Jahr verspätet sich das „Frühjahr“ extrem. Die letzten Monate waren zu kalt und wechselhaft. Bei Temperaturen weit unter 20 Grad macht es keinen Sinn die Fischerl in das Aussenbecken zu überführen. Die Guppys überwinterten, wie jedes Jahr im kleinen 60er-Becken. Nachdem ich letzte Woche das „Whitesands“-Becken von überzähligen Pflanzen befreite, pflanzte ich ein paar davon in das „Terracotta-Becken“ ein.

Heute nun fing ich per „Schale“ die Guppys ein und setzte diese in das Aussenbecken ein. Nicht ohne einen Heizstab sicherheitshalber mit in das Wasser zu tun; denn bei Temperaturen unter 16 Grad benötigen die Guppys „Winterdecken“ 🙂

Füttern muss ich die Fischlein draussen eher weniger; denn bereits jetzt sind genügend Mückenlarven vorhanden. Einen Filter bekommt das Becken auch nicht. Lediglich der Heizstab sorgt bei fallenden Temperaturen dafür, dass es den Guppys nicht zu kalt wird.


10.04.2013 – Aquarien „ThaiRiver“ und „WhiteSands“

10. April 2013

Anbei je ein Bild vom „ThaiRiver“ und vom „WhiteSands“ Aquarium

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28.06.2012 Aktueller Stand „WhiteSands“ und „ThaiRiver“

28. Juni 2012

Ein paar Pix zum aktuellen Stand der beiden Becken „WhiteSands“ und „ThaiRiver“:

WhiteSands

ThaiRiver

ThaiRiver..

… und ich mach wirklich gar nix! Ab und zu Filter reinigen, Wasser nachfüllen, Fische Füttern…