03.12.2006 – Zürich: Ein Sonntag in der Stadt – Augenblicke am 1. Advent in Zürich


 „Etz kummt die Zeit, die i so mog – de stade Zeit…“ Ja, es kommt die Weihnachtszeit: Leise rieselt der Schnee, man zieht sich dick an wie das Michelin-Männchen oder streift sich Kleidungsstück für Kleidungsstück nach dem Zwiebelprinzip über, der Atem kondensiert in der frierenden Luft, es riecht nach Plätzchen und Glühwein, das erste Kerzlein brennt,  *quiiiieetsch*

Nachtrag: Sonntag, 03.12.2006, 1. Advent: Die Sonne scheint ins Wohnzimmer, der Himmel wolkenlos, gegen 14 Uhr ziehe ich meine Harley-Boots an, nehme die Jacke vom Haken, schnappe mir den Töffschlüssel und verlasse die Wohnung. Ich schliesse die Tür zur Garage auf und sperre den Topcase auf, setze den Helm auf, lege den Nierengurt an und streife die leichten Lederhandschuhe über die Hände. Dann schwinge ich mich auf die Kiste und drehe den Zündschlüssel um. Bei der gemütlichen Fahrt über die Badenerstrasse klappe ich den Sonnenschutz des Helms herunter – die Sonne blendet.

„Ziemlich viel Verkehr!“ denke ich, als ich Richtung Hardbrücke abbiege. Als es nur noch Stop-and-Go an der Limmat entlang geht, fällt mir ein „verkaufsoffener Sonntag“. Der Kühlerlüfter – liebevoll „Kaffeemaschine“ genannt – schaltet sich regelmässig ein und versucht so den Vierzylinder unter der Überhitzungstemperatur zu halten. Die Autos stehen wie auf einer Perlschnur aufgereiht. Wenn es der Gegenverkehr zulässt, fahre ich an der Kolonne Stück für Stück vorbei. Am Bürkliplatz und Umgebung steht eigentlich in alle Himmelsrichtungen alles. Ich entschliesse mich hinter dem Kongresshaus zu parken. Den Rest zum See gehe ich zu Fuss. 

  

Langsam geht die Sonne hinter dem Uetliberg unter – dafür kommt von der gegenüberliegenden Seite der Vollmond heraus. Ich schiesse eine grössere Serie von der Statue, wie diese den Vollmond hält. Dann entschliesse ich zum Töff zurück zu gehen mit dem Endziel in der Nähe des Landesmuseums zu parken.


Keine Chance. Der Verkehr ist vollends zusammen gebrochen. Ich komme bis zur Urania. Die Strassen rund um den Bahnhof sind vollkommen verstopft. Wieder stelle ich die Kiste ab und wandere die Bahnhofstrasse entlang. Diese kommt mir wenig besinnlich, aber dafür wie ein Ameisenhaufen vor. Geht die Welt unter? Hat es eine Katastrophenwarnung gegeben? Darf man nur heute Geschenke einkaufen? Wirft hier jemand grössere Geldnoten auf die Strasse? Gibt es irgendwo irgendwas umsonst. In den Katakomben des Bahnhofs – Railcity genannt – sieht es nicht besser aus. Die Leute hasten kreuz und quer meist mit Tüten oder noch besser mit Rücksäcken und Gepäckwagen durch die Gänge. „Nix wie raus hier“. Ich nehme die Treppe zum Landesmuseum und durchschreite das Eingangstor.

  

*beeeaaammm* Leise, gemütliche Musik, keine Hektik, blaue Sterne auf den Fassaden, Nadelbäume mit Lichtern und roten Glaskugeln, es riecht nach Glühwein und Cervelat, auf der bunt beleuchteten künstlichen Eisfläche hält sich „Gross und Klein“ auf mehr oder weniger wackeligen Füssen. Um die Eisfläche stehen Leut‘, Glühwein-haltend und „pläuderlen“. An der „Icebar“ bestelle ich mir einen Glühwein und stelle mich an einen Stehtisch. Mit der einen Hand ziehe ich die Digitalkamera aus der Tasche, mit der anderen nestele ich meine Zigaretten heraus. Eine Ruheoase mitten im Einkaufstrubel.

Dann schlendere ich um die Eisfläche und schaue den Eisläufern zu. Zwergerl schubsen Pinguine als Skatelernhilfe vor sich her. Den ein oder anderen brettert es mehr oder weniger unsanft auf den Hintern – ich grinse. Wann war ich das letzte Mal auf dem Eis gestanden? Muss lange her sein. Auf einem Wochenendausflug nach Tschechien hatten sich Mike und ich „richtige“ Eishockey-Schlittschuhe, samt Schläger und Pucks gekauft. Auf dem zugefrorenen Guggenberger Weiher bei Neutraubling stellten wir dann fest, dass das „auf den Kufen stehen“ wohl doch mit dem Material zusammen hängt. Beim „Discolauf“ im alten Regensburger Eisstadion an der Nibelungenbrücke lieh ich mir sonst nämlich immer ausgelatschte Schlittschuhe aus. Auf den Teilen kam ich eher X-beinig daher und wenig elegant. Ich nahm mir vor zu Hause die Schlittschuhe im „Gruschkämmerchen“ zu suchen.

Langsam wurde es dann doch frisch. Der Himmel sternenklar – keine Wolke. Ich schlenderte die Treppe hinauf zur Lounge. Angenehme Wärme empfing mich, als ich die Tür öffnete. Die Lounge war nur locker besetzt, aber im hinteren Bereich bei den Sofas und Sesseln – meinem letztjährigen Lieblingsplatz war alles belegt. So blieb mir einer der Bistrotische mit der guten Aussicht auf den Innenhof. Ich bestellte einen Kaffee. Allerdings klappte die Technik nicht ganz. Die Espressomaschine zog zu viel Strom – die Kühlschränke fielen aus – jedes Mal, wenn die Lady auf den Knopf drückte. So bestellte ich kurzerhand eine Cola ohne Eis.

 

Nach etwa einer Stunde beschloss ich mich auf den Weg zurück zum Töff zu machen. Durch das Eingangstor wanderte ich Richtung Bahnhof, aber diesmal ebenerdig, denn ich wollte mir den Weihnachtsmarkt noch ansehen. Das war ein Fehler. Menschenmassen empfingen mich in der Bahnhofshalle. Also nichts wie raus hier. Ich kämpfte mich durch die Stände und erreichte die Tramstation. Dort stellte ich fest, dass die Einkaufsmassen auf der Bahnhofstrasse immer noch „pulsierten“. Ich schlängelte mich durch die entgegenkommenden Grosseinkäufer und erreichte schliesslich mein Töff. Nichts wie ab nach Hause. 

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